Donnerstag, 16.09.2021

13:30 - 15:00

Raum 1

S16-31

Selbstbestimmtes Älterwerden im vertrauten Wohnumfeld - Herausforderung und Strategien für den Aufbau altersgerechter Strukturen am Beispiel des Landes Brandenburg

Moderation: H. Nolde, Potsdam

Selbstbestimmt Älterwerden im vertrauten Wohnumfeld ist der Wunsch der meisten Menschen. Damit sich auf kommunaler Ebene die passenden Strukturen entwickeln können, hat das Land Brandenburg die Fachstelle Altern und Pflege im Quartier (FAPIQ) 2015 als Unterstützungsstruktur geschaffen. Entsprechende Konzepte müssen bedarfsorientiert sein und die jeweiligen regionalen Ausgangsbedingungen berücksichtigen. Im Symposium werden drei Ansätze der FAPIQ vorgestellt, mit denen Kommunen dabei unterstützt werden, vor dem Hintergrund regionaler Unterschiede für mehr Lebensqualität im Alter zu sorgen.

Im ersten Beitrag werden die kommunalen Pflegedossiers in Brandenburg vorgestellt. Darin wird deutlich, wie Daten und Fakten zur Pflege auf Städte- und Gemeindeebene als wichtige Instrumente eingesetzt werden können, um passgenaue Maßnahmen entwickeln und umzusetzen zu können. Der zweite Beitrag geht auf die Beratungsstruktur von FAPIQ ein und zeigt an Beispielen wie eine Mikroprojektförderung zu mehr Lebensqualität im Alter beitragen kann. Im dritten Beitrag steht das selbstbestimmte Älterwerden in betreuten Wohnformen im Mittelpunkt. Das Symposium schließt mit einer Diskussion zu Rahmenbedingen in Brandenburg, die ein selbstbestimmtes Älterwerden ermöglichen.

13:30
Nutzen und Anwendung kommunaler Pflegedossiers im Land Brandenburg
S16-31-1 

K. Wiegmann, K. Hodeck; Potsdam, Berlin

Der demographische Wandel in Brandenburg zeigt in einigen Bereichen Abweichungen zur durchschnittlichen Entwicklung in Deutschland. Der Anteil der Menschen mit Pflegebedarf ist in allen Altersgruppen höher als im Durchschnitt. Ebenso werden mehr Menschen insbesondere auch von den Menschen über 80 in der eigenen Häuslichkeit gepflegt. Perspektivisch zeichnet sich ein deutlicher Anstieg des Pflegebedarfs ab. Die für diese Entwicklungen notwendigen Fachkräfte in der Pflege werden voraussichtlich nicht vorhanden sein. Dieser Versorgungsbedarf entsteht jedoch primär dort, wo die Menschen wohnen und leben. Vor Ort braucht es deshalb Möglichkeiten den Eintritt von Pflegebedürftigkeit zu verzögern sowie Umfang und Schwere des Pflegebedarfs zu verringern. Somit stehen insbesondere Kommunen vor die Herausforderung, geeignete alters- und pflegegerechte Lebensräume zu gestalten.

Kleinräumigen Daten auf Ämter- und Gemeindeebene können es ermöglichen, dass bedarfsgerechte Angebote zur Unterstützung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen entstehen. FAPIQ bietet deshalb speziell für Entscheiderinnen und Entscheider auf Amts-/Gemeindeebene kommunale Pflegedossiers an. Sie schließen die Lücke zu den 2019 herausgegebenen Brandenburger Pflegedossiers, deren Daten sich auf die Landes- und Landkreisebene beziehen. Die Auswertungen basieren auf den jährlich aktualisierten SAHRA-Pflegekennzahlen (Stand 2019, https://pflegekennzahlen.de), die u.a. anhand von Krankenkassendaten unter Einbeziehung von Pflege- und Bevölkerungsstatistiken berechnet wurden. Die kommunalen Pflegedossiers geben darüber hinaus auch Auskunft über ausgewählte Krankheitsbilder, die eine besondere Bedeutung für die Entstehung der Pflegebedürftigkeit haben.

Wie diese Daten interpretiert und im kommunalen Kontext eingeordnet werden können, obliegt in erster Linie den Expertinnen und Experten vor Ort. Wie diese Arbeit vor Ort aussieht und welche möglichen Maßnahmen zur Gestaltung alters- und pflegegerechter Sozialräume aus den kommunalen Pflegedossiers abzuleiten sind, stellen wir im Beitrag anhand unserer Beratungspraxis dar.

13:55
Gut Älterwerden im vertrauten Wohnumfeld – Alternsgerechte Quartiersentwicklung im Land Brandenburg
S16-31-2 

H. Nolde; Potsdam

Alt werden im vertrauten Wohnumfeld hat unterschiedliche Voraussetzungen im vorwiegend ländlich geprägten Brandenburg. Alterung und Pflegebedarf sind wie im Beitrag von Katharina Wiegmann aufgezeigt sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dies erfordert passgenaue bedarfsorientierte Lösungen für das Leben im Alter.

Im Zentrum des Beitrags steht der Beratungsansatz der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg, der durch die Förderung altersfreundlicher Strukturen dazu beiträgt alternsfreundliche Städte und Gemeinden zu entwickeln. Themenfelder der Fachstelle sind altersgerechtes Wohnen, alltagsunterstützende Angebote, sozialräumliche pflegerische Versorgungsstrukturen und alternsgerechte Quartiersentwicklung. Durch Beratung, Begleitung und Vernetzung bereitet die Fachstelle den Boden für die Entwicklung vor Ort. Engagierte Personen werden identifiziert und gezielt gefördert. Mit der kleinteiligen finanziellen Förderung von Mikroprojekten bis zu 5000 € im Rahmen des Förderaufrufs „Gut Älterwerden im vertrauten Wohnumfeld“ greift FAPIQ die vorhandenen Ansätze auf und stößt Prozesse an, die zur Entwicklung von alternsfreundlichen Gemeinden führen können. Die kleinteiligen Projekte, werden partizipativ in den Regionen umgesetzt und reichen von der Schaffung von Begegnungsorten, über Digitalisierung und Alter bis hin zum Bewegungsangebote mit und für ältere Menschen. Am Beispiel ausgewählter Projekte wird im Beitrag gezeigt, was durch die Förderung entstanden ist und wie sie im Zusammenspiel mit gezielter Beratung und Begleitung wirkt.

14:20
Pflege zwischen Fürsorgepflicht und Selbstbestimmung der pflegebedürftigen Menschen – Lösungen in Pflege-Wohngemeinschaften unter Pandemiebestimmungen
S16-31-3 

A. Kaufmann; Potsdam

Selbst bestimmt leben ist ein individuelles Bedürfnis des Menschen bis ins hohe Alter unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Sie ist von großer Bedeutung für die empfundene Lebensqualität, sowie unser Zugehörigkeitsgefühl und somit eine Voraussetzung für gelingende Beziehungen.

Im Pflegealltag gestaltet sich das Thema Selbstbestimmung sehr vielschichtig. Wir widmen uns hier insbesondere der Gruppe der pflegebedürftigen Menschen. Ihr Alltag ist gekennzeichnet von mehr oder weniger Hilfe- und Betreuungsbedarf – sie sind abhängig von anderen Personen und gleichzeitig selbst individuelle Persönlichkeiten. Dieses sensible Verhältnis wird ebenfalls Artikel 1 der Pflege-Charta betont. „Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe sowie auf Unterstützung, um ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen zu können.“

Wie sah es nun unter Pandemiebestimmungen insbesondere in den verschiedenen Pflegewohnformen aus? Vielfach war und ist zu lesen, dass die Fürsorgepflicht in Form von Schutzmaßnahmen für die BewohnerInnen zu Lasten der Selbstbestimmung im Sinne der Mitgestaltung durchgeführt wurde, was nicht zuletzt die S1 Leitlinie „Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie“ (DGP e.V. 2020) hervorbrachte. Das Dilemma der Vereinbarkeit von Fürsorgepflicht und Selbstbestimmung im Pflegealltag wurde durch die Pandemiebedingungen der letzten Monate überdeutlich und zeigt die Grenzen der traditionellen Pflegestrukturen auf.

Aus dem Bedürfnis heraus selbst bestimmt zu leben auch mit Hilfe- und Pflegebedarf, haben sich die ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften als alternativen Wohnform entwickelt.

Das Ziel des Beitrags ist es zu beantworten, inwieweit das Konzept der ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften, angefangen beim Einbezug der Angehörigen, die Vereinbarkeit von Fürsorgepflicht und Selbstbestimmung unterstützen kann. Im Zentrum steht dabei die Frage welche Faktoren ein selbst bestimmtes Leben auch mit Hilfe- und Betreuungsbedarf in ambulant betreuten Wohnformen fördern insbesondere unter den Herausforderungen der Pandemie. Neben theoretischen Perspektiven zur Selbstbestimmung in ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften, wird der Beitrag um empirische Daten einer qualitativen Befragung in Wohn-Pflegegemeinschaften zum Thema ergänzt.

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