Freitag, 17.09.2021

14:00 - 15:30

Raum 4

S17-24

Geragogik & Diversity

Moderation: M. Kiegelmann, Karlsruhe; V. Leve, Düsseldorf; J. Stiel, Dortmund

In der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechteridentität haben ältere LSBTIQ*-Personen über den Lebenslauf eine Vielzahl von Ressourcen und Stärken entwickelt, sowohl individuell im Umgang mit Diskriminierungserfahrungen als auch durch den Aufbau und die Vernetzung von LSBTIQ*Communities. Dennoch waren sie vielfach Belastungen durch Ausgrenzung, Gewalt und strukturelle Benachteiligung ausgesetzt. Sie gelten daher als eine besonders vulnerable Zielgruppe in der Arbeit mit älteren Menschen. Das Symposium beleuchtet aus theoretischer und anwendungsorientierter Sicht Geragogik im Kontext von Diversity, Intersektionalität und LSBTIQ*. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welchen Beitrag die Geragogik durch die Anerkennung und Stärkung individueller und gesellschaftlicher Ressourcen zur Sicherung der sozialen Teilhabe älterer LSBTIQ*-Personen leisten kann.

Mechthild Kiegelmann diskutiert aus entwicklungspsychologischer Perspektive, auf welchen Grundsätzen geragogische Lernarrangements im Biographiebezug zum Thema LSBTIQ* gestaltet werden. Im Sinne der Begleitung von selbstbestimmten und reflexiven Lernprozessen in der Auseinandersetzung mit Altern im Kontext von geschlechtlicher Vielfalt, steht dabei die Schaffung von Ermöglichungsstrukturen im Vordergrund.

Carolina Brauckmann beleuchtet in ihrem Beitrag die Frage nach den Lehr- und Lernherausforderungen in Bezug auf die Zielgruppe. Hierbei legt sie im Sinne eines intersektionalen Ansatzes besonderen Fokus auf die Bedarfe der Teilnehmenden, die Anforderungen an Geragog*innen bei der Entwicklung von Angeboten sowie die strukturellen Voraussetzungen für die Sichtbarmachung und Verankerungen dieser Angebote.

Die Beiträge im Rahmen des Symposiums des AK Geragogik befassen sich mit

- Ressourcenorientierten Ansätzen zur geragogischen Arbeit zu LSBTIQ*Themen

- Lernherausforderung, Methoden und Strukturen sowie

- der Ermittlung von Diskriminierungsphänomenen und „wunden Punkten“ im Kontext von LSBTIQ* in der geragogischen Auseinandersetzung.

Im Anschluss an die Vorträge besteht die Möglichkeit zum Austausch im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

14:00
Intersektionalität, LSBTIQ* und Geragogik aus psychologischer Sicht
S17-24-1 

M. Kiegelmann; Karlsruhe

Aus der Perspektive der pädagogischen Psychologie, entwicklungspsychologischen Forschungund Hochschulverwaltung von Lehrangeboten zu Geragogik und LSBTIQ*-Beratung erscheinendrei Grundsätze für Lern-Lehrarrangements in der Geragogik wichtig, um in der GeragogikDiversitäten von sexuellen Orientierungen und geschlechtlicher Vielfalt zu würdigen:1) Wertschätzung von besonderen Stärken in Biographien von LSBTIQ*-Personen, 2) Erkennenvon und Engagement gegen Diskriminierung und spezifischen Herausforderungen im Kontext vonLSBTIQ* und 3) Entspannt-kritischer Widerstand gegen binäres und heteronormatives Denken undHandeln.

Sowohl im intergenerationellen Zusammenarbeiten als auch innerhalb der heterogenen LSBTIQ*-Communities erscheint ein ressourcenorientierter Ansatz angebracht, um die individuellenBiographien und die sozial gewachsenen (international vernetzten und lokal agierenden) LSBTIQ*-Communities unter aversiven gesellschaftlichen Bedingungen wahrzunehmen und zu würdigen.Eine lange Geschichte von resilienten und kreativen Sozialformen wurde aufgebaut. PersönlicheKompetenzen beispielsweise Übung in Professionalität durch komplexe Lebenserfahrungen mitdem coming out in verschiedenen sozialen Bezügen gilt es hervorzuheben.

Gleichzeitig belegen sozialpsychologische und klinisch psychologische empirische Studien dieBelastungen und Vulnerabilitäten von Menschen, die Ziel von Diskriminierung, Gewalt und z. Teilstaatlich geförderter juristischer Verfolgung sind. Kernaufgabe der Geragogik ist die Ermöglichungvon gesellschaftlicher Teilhabe aller, damit auch von beispielweise durch Traumatisierungaufgrund heteronormativer sowie inter- und transphober Gewalt und Diskriminierung betroffenerMenschen.

Schließlich bedeutet eine Wertschätzung von Diversität ebenso, sowohl Differenzen innerhalb von LSBTIQ*-communities, als auch in individuellen Identitäten und Lebenserfahrungen konstruktiv entspannt anzugehen. Internalisierte Homo-, Inter-, und Transphobie kann durch gelassenen, aber aktive Widerstand begegnet werden.   

14:30
Wer ist gemeint? Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Senior*innenbildung
S17-24-2 

C. Brauckmann; Köln

Die Annahme eines binären Geschlechtersystems wird zunehmend in Frage gestellt. Lebens-, Liebes- und Begehrensformen sind neben hetero-, u.a. auch homo- und bisexuell. In dem Fallsprechen wir von sexueller Vielfalt. Geschlechtliche Vielfalt meint Trans- und Intersexuelle. Vieleverwenden zur Beschreibung der Vielfalt die Kürzel LSBTI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*und Inter*) oder den Begriff queer. LSBTI* - Menschen verbindet, „dass sie alle vonDiskriminierung betroffen sind, weil sie den gesellschaftlichen Normen zu Geschlecht, Begehrenund/oder Beziehungen nicht entsprechen.“ (www.Regenbogenportal.de)

Das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist in der Pädagogik, aber noch nicht in derSenior*innenbildung angekommen. Müssen wir annehmen, dass die Thematik als nicht relevantund vermittelbar beurteilt wird, oder ist der Anfang einfach noch nicht gemacht? Wenn wir davonausgehen, dass es in der Senior*innenbildung als eine Form der Erwachsenenbildung nicht darumgeht, Aufklärung zu leisten so wie es die Schule erfordert, stellt sich die Frage, wo dieLernherausforderung in Bezug auf Zielgruppe, Methodik und Thematik liegt und wie ihr zubegegnen ist.

Eine Möglichkeit ist es, die Berücksichtigung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt dreiunterschiedlichen Ebenen zuzuordnen. Ähnlich wie bei der Genderkategorie gehen wir dabei voneinem intersektionalen Ansatz aus.

Inklusion: Wie fühlen sich LSBT in den vorgehaltenen Angeboten gesehen und angesprochen?

Diversitykompetenz: Welche fachlich geschulten Kooperationspartner*innen resp. Lehrpersonenmit Betroffenenkompetenz sind konzeptionell eingebunden?

Antidiskriminierung: Auf welcher Ebene werden die Angebote strukturell verankert?

Wir möchten die genannten Ebenen und Blickrichtungen erläutern und zur Diskussion stellen.  

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