Donnerstag, 16.09.2021

13:30 - 15:00

Raum 6

S16-36

Einfluss von Corona

Moderation: S. Strumpen, Berlin

13:30
Alt sein in Zeiten einer weltweiten Pandemie – Ergebnisse aus dem SwissSurvey65+
S16-36-1 

A. Seifert, K. R. Schroeter; Olten/CH

Einleitung und Fragestellung: Der Alltag vieler älterer Menschen ist seit nunmehr über einem Jahr von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie geprägt. Kontaktbeschränkungen soll(t)en eingehalten und gerade ältere Menschen als „Risikogruppe“ geschützt werden. Dabei wurde allerdings oft die subjektive Wahrnehmung dieser Personengruppe vernachlässigt; also die Frage, wie ältere Menschen selbst die Veränderungen während der Zeit der Pandemie wahrgenommen haben. Hierbei interessierte uns insbesondere, wie diese Menschen das durch die Kontaktbeschränkungen hervorgerufene vermehrte Alleinsein bzw. die damit verbundene (stärkere) Vereinsamung sowie ihr individuelles Alterserleben empfunden haben.

Methode: Im Rahmen der Schweizer Studie „Swiss Survey 65+“ konnten mittels zwei Befragungen Informationen zu pandemiebedingten Einschränkungen erlangt werden. In der ersten schweizweiten Untersuchung wurden in der Zeit vom Januar bis Mai 2020 insgesamt 1.990 Personen ab 65 Jahren telefonisch bzw. schriftlich befragt. Eine weitere Querschnittsbefragung erfolgte im Mai und Juni 2020. Telefonisch wurden insgesamt 1.011 Personen ab 50 Jahren aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt.

Resultate: Die Ergebnisse der ersten Erhebung zeigen, daß sich die erlebte Einsamkeit und das negative Alterserleben in dieser Zeitphase verändert haben: Das subjektive Gefühl von Einsamkeit und das negative Alterserleben nahmen im Anschluß an die Empfehlung einer physischen Distanzierung durch die Schweizer Regierung zunächst zu und gingen erst nach der Ankündigung erster Lockerungen des Lockdowns wieder etwas zurück. Die zweite Befragung zeigte auf, daß es zu Beginn des ersten Lockdowns weniger direkte soziale Kontakte gegeben hat, aber dafür die Kontakte via Telefon und Internet deutlich angestiegen sind. Die Studie zeigte aber auch, daß einige Personen während der ersten Zeit der Pandemie verstärkt das Gefühl hatten, daß sie zu wenig Zeit mit Menschen verbringen konnten, die ihnen wichtig waren/sind.

Diskussion: Die ersten Ergebnisse aus der Schweiz zeigen, daß nicht jeder Mensch eine solche Krise gleich gut oder gleich schlecht „übersteht“ und nicht alle persönlichen Kontakte durch digitale Lösungen kompensiert werden können. Unsere Aufmerksamkeit als Gerontolog*innen sollte daher denjenigen älteren Personen gelten, die besonders unter der Pandemie bzw. den damit verbundenen Schutzmaßnahmen der physischen Distanzierung zu leiden hatten/haben.

13:50
Unterstützungsangebote in der Kommune für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz in Zeiten der Corona-Pandemie
S16-36-2 

M. Wittek, A. Kiefer, S. S. Wiloth; Heidelberg

Die Corona-Pandemie führt zu einer Veränderung der Versorgung pflegender Angehöriger (pA) von Menschen mit Demenz (MmD). Die Verfügbarkeit von Unterstützungsangeboten in den Kommunen weist durch „Corona-Verordnungen“ zahlreiche Defizite auf. Während die Situation in stationären Einrichtungen (öffentlich) diskutiert wird und sich die Wissenschaft mit den Umständen der informell Pflegenden beschäftigt, bleibt der Bezug zur Kommune und deren Akteure oft unberücksichtigt.

Ziel des (Teil-)Projektes ist es, durch die Corona-Pandemie bedingte, wahrgenommene Veränderungen der Versorgung pA von MmD in der Kommune aus Sicht der Betroffenen sowie kommunaler Akteure (kA) unterschiedlicher Tätigkeitsfelder zu analysieren. Es stellen sich hierbei die Forschungsfragen (1) welche Veränderungen der Versorgung pA von MmD nehmen Betroffene wahr (2) wie erleben kA die Versorgungssituation pA von MmD während der Pandemie und (3) inwiefern unterscheidet/gleicht sich die Wahrnehmung der Veränderungen zwischen den Gruppen?

Die Datenerhebung findet im Rahmen eines Forschungsprojekts statt, in dem in zahlreichen Kommunen Deutschlands Rathausgespräche und Fokusgruppen durchgeführt und mittels vorab entwickelter Leitfragen moderiert werden. Hierbei nehmen jeweils ca. fünf pA, bis zu zehn kA sowie die interessierte Bürgerschaft teil. Für das hier beschriebene (Teil-)Projekt wurden Rathausgespräche und Fokusgruppen von acht unterschiedlichen Kommunen analysiert.

Es konnten negative Veränderungen der Versorgung pA von MmD in den Kommunen durch die Corona-Pandemie festgestellt werden, z.B. der Wegfall von Betreuungsangeboten oder Angehörigengruppen. Dennoch ergeben sich durch entstehende Herausforderungen auch Chancen für neue und kreative Möglichkeiten der Unterstützung pA von MmD in der Kommune, z.B. digitale Angehörigengruppen oder Einkaufshilfen. Das Erleben der Veränderungen gleicht sich häufig zwischen pA und kA – teilweise unterscheidet es sich aber auch.

PA sind eine tragende Säule im deutschen Pflegesystem. Während bspw. Eggert et al.  (2020), Fischer & Geyer (2020) sowie Klaus & Ehrlich (2021) bereits die Situation pA während der Corona-Pandemie untersucht haben, ist nun vor allem die Versorgung durch Unterstützungsangebote in der Kommune sowie das Zusammenführen der Wahrnehmung pA und kA bedeutsam. Aus den durch die Corona-Pandemie gewonnen Erfahrungen gilt es Erkenntnisse für die Regelversorgung pA von MmD und mögliche weitere Notsituationen abzuleiten.

14:10
Strategien und Maßnahmen von Pflege-, Palliativ- und Hospizeinrichtungen zum Umgang mit der COVID-19-Pandemie - Ergebnisse eines Scoping Reviews
S16-36-3 

D. Wahidie, K. Altinok, Y. Yilmaz-Aslan, P. Brzoska; Witten

Hintergrund und Fragestellung: Durch die COVID-19-Pandemie sind Einrichtungen der Pflege, Palliativ- und Hospizversorgung besonders herausgefordert. Gründe dafür sind u.a. das hohe Alter und bestehende Vorerkrankungen der Pflegebedürftigen, welche Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 darstellen. Zudem sind notwendige Maßnahmen sozialer Distanzierung in Bereichen, in denen körperlich nahe pflegerische Leistungen durchgeführt werden, nur schwer umsetzbar. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin zu ermitteln, welche Strategien und Maßnahmen in Pflege-, Palliativ- und Hospizeinrichtungen zum Umgang mit den dargestellten pandemiebedingten Herausforderungen eingesetzt werden.

Methodik: Es wurde ein Scoping Review aller deutsch- und englischsprachigen Publikationen seit Januar 2020 durchgeführt. Anhand einer zuvor festgelegten Suchstrategie wurden die Datenbanken Pubmed, CINAHL, Web of Science, PsycInfo und Livivo durchsucht. Darüber hinaus wurde eine Suche nach „grauer Literatur“ in Google Search und Google Scholar durchgeführt. Die Treffer wurden auf der Grundlage der Titel, Abstracts und Volltexte auf ihren Ein- oder Ausschluss geprüft.

Ergebnisse: Von insgesamt 2.186 potenziell relevanten Artikeln konnten nach der Entfernung von Duplikaten und der Prüfung der Publikationen auf der Basis der Titel und Abstracts 2.024 Artikel ausgeschlossen werden. Die verbliebenen 162 Veröffentlichungen wurden einem Volltextscreening entlang der Ein-und Ausschlusskriterien unterzogen. Schließlich wurden 29 Publikationen in die Analyse der vorliegenden Studie aufgenommen. Anhand dieser wird deutlich, dass Infektionsschutzmaßnahmen wie die regelmäßige Reinigung, Lüftung und Desinfektion der Räume sowie strukturelle Maßnahmen wie z.B. die Schaffung von Isolierbereichen und die Einteilung des Personals und der Patienten/innen in Kleingruppen dominieren. Nur wenige der eingeschlossenen Publikationen beschreiben Maßnahmen zur Erhöhung der Motivation der Mitarbeiter/innen oder zur psychosozialen Unterstützung des Personals und der Patienten/innen.  

Zusammenfassung: Es ist ersichtlich, dass primär Strategien und Maßnahmen zur Infektionsvermeidung thematisiert werden und der Schutz sozialer Kontakte der Patienten/innen, die psychische Verfassung aller Akteure und die Erhöhung der Mitarbeitermotivation nur wenig Beachtung finden, weshalb hier weiterer Forschungsbedarf besteht. 

14:30
Briefe gegen die Einsamkeit – kann aus einer Corona-Aktion ein nachhaltiges Projekt für den intergenerativen Austausch entstehen?
S16-36-4 

K. B. Karl; Bochum

Als im Frühjahr 2020 während des ersten Lockdowns viele Menschen unvermittelt in eine vollkommen neue Form der Isolation gerieten, war eine Welle der Solidarität in vielen Teilen der Gesellschaft zu spüren. Es entstanden neue Initiativen auf unterschiedlichen Ebenen, Viele betätigten sich ehrenamtlich und standen einander bei. Zahlreiche Aktionen nahmen dabei die besonderen Nöte älterer und auch pflegebedürftiger Menschen in den Fokus.

Nun, über ein Jahr später, befinden wir uns noch immer in einer von der Pandemie geprägten Zeit, in der Kontaktbeschränkungen mittlerweile zum Alltag zählen. Bedeutet dies, dass wir uns an die Isolation in gewisser Weise gewöhnt haben und die Bereitschaft zum Ehrenamt und zur gegenseitigen Unterstützung und Kontaktaufnahme gesunken sind?

Dieser Frage soll, neben angrenzenden weiteren, im Vortrag nachgegangen werden. Hierfür soll als illustrierendes Beispiel eine Aktion mit dem Namen „Briefe gegen die Einsamkeit“ vorgestellt werden, in dessen Rahmen Studierende und andere Interessierte an eine pflegebedürftige Person zu einer Brieffreundschaft vermittelt wurden. Die Aktion wurde im April 2020 gestartet und wuchs innerhalb von wenigen Tagen auf eine dreistellige Zahl an interessierten BriefeschreiberInnen an. Neben der Vorstellung der beteiligten Akteure und der Entwicklung der Aktion sollen Fallbeispiele illustrieren, wie sich über das Medium des Briefes einander vorher unbekannte Personen kennenlernen und über Generationen und Krankheiten hinweg intensiv austauschen können. Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, wie eine solche Aktion in eine Form überführt werden kann, die einen nachhaltigen Austausch zwischen Generationen und unterschiedlichen Lebensformen (innerhalb und außerhalb von Pflegeeinrichtungen) ermöglicht.

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