Freitag, 17.09.2021

14:00 - 15:30

Raum 3

S17-23

Digitale Bildungsprozesse im Betreuten Wohnen – Das Projekt DiBiWohn

Moderation: M. Doh, Heidelberg; M. Marquard, Ulm; I. Himmelsbach, Freiburg

Das interdisziplinäre BMBF-Verbundprojekt ‚Digitale Bildungsprozesse für ältere Menschen in seniorenspezifischen Wohnformen der institutionalisierten Altenhilfe‘ (DiBiWohn) umfasst grundlagen- und anwendungsbezogene Forschungsschwerpunkte in Bereichen der empirischen Bildungsforschung, Gerontologie und Medienpädagogik. Es richtet sich damit an einen Personenkreis, der bislang von Bildungs- und Digitalisierungsangeboten (noch) unzureichend erschlossen wurde.

Das Projekt befasst sich a) grundlegend mit (digitalen) Bildungsprozessen im höheren und hohen Alter beziehen und will b) Rückwirkungen und Korrelate auf die Bildungs-, Medien- und Technikbiographie, auf Identitätsarbeit und auf Lebenswelt untersuchen. Zum anderen stehen c) bildungspraktische Forschungsinhalte im Fokus, die sich auf die Entwicklung und Gestaltung von informellen und non-formalen digitalen Bildungsformaten im Alter richten. Dies soll geschehen, indem mittels partizipativer Methoden und einer Kombination aus Peer-to-Peer-Konzept und einem Train-the-Trainer-Ansatz einerseits für technikunerfahrene Zielgruppen digitale Zugänge (wie Tablets und Internet) erschlossen werden und andererseits sowohl Bildungsangebote wie auch Teilhabe- und Teilgabeangebote im Sozialraum entwickelt werden.

Verbundleitung hat das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg (ab 01.09.2021 das IAF an der Katholischen Hochschule Freiburg); weitere Partner sind das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm, die Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), Ludwigshafen und die Evangelische Heimstiftung GmbH Stuttgart.

14:00
Digitalisierung im Betreuten Wohnen und der stationären Altenhilfe – Ergebnisse der Teilstudie DigiWohn
S17-23-1 

D. Leopold, M. Doh, J. Brüggemann; Heidelberg, Freiburg

Hintergrund und Ziel: Die beiden Teilstudien wurden zur Generierung grundlegender Basisinformationen zu den Themenkomplexen Digitalisierung und sozialer Teilhabe durchgeführt. Vorrangig wurden Einrichtungen des Betreuten Wohnens in die Untersuchung einbezogen. Die Priorisierung dieses Settings ergibt sich daraus, dass hier eine hochaltrige aber gleichwohl in ihrem körperlichen und kognitiven Status heterogene Zielgruppe vorgefunden wird, die noch über vergleichsweise geringe digitale Zugänge und Kompetenzen verfügt.

Methodik: Im Rahmen der DigiWohn-Studie wurden im Mai/Juni 2021 Leitungs- und Führungskräfte aus den Bereichen Betreutes Wohnen und der stationären Altenpflege in Deutschland als Zielgruppe definiert. Die quantitativen Primärdaten zur digitalen Infrastruktur, Digitalisierungsstrategien sowie zur (digitalen) Quartiersöffnung und sozialer Teilhabe wurden mittels einer Onlinebefragung erhoben.

Parallel wurden Bewohner*innen aus Betreuten Wohnanlagen (DigiBewohn) zu deren (digitalen) Medienalltag, digitalen Kompetenzen, technikbezogenen psychologischen Konstrukten sowie zu deren Aktivitäten im Sozialraum befragt. Die Erhebung der Daten erfolgte mittels einer Telefonbefragung, wobei die Proband*innen im Vorfeld den Fragebogen postalisch zugestellt bekamen.

Erwartete Ergebnisse: Basierend auf den empirischen Daten können Vergleichsanalysen nach Wohnformen, Trägerschaften und Personenkreisen erfolgen, was wiederum die Kontextualisierung der gewonnenen empirischer Befunde stärkt. Darüber hinaus dienen die quantitativen Befunde aus beiden Basisuntersuchungen als Referenzwerte für Wiederholungsbefragungen, die für 2023 vorgesehen sind.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse sollen zum besseren Verständnis und zur Kontextualisierung des Themenkomplexes "Digitaler Bildungsprozesse im Alter" dienen. Zudem können aus diesen Informationen Hypothesen für weitere Forschungsfragen abgeleitet werden, wie auch Implikationen für Bildungskonzepte und Transferstrategien.

14:20
Digitale Bildung im hohen Alter – erste Ergebnisse aus der partizipativen Forschung
S17-23-2 

S. Bröder, E. Hrabal, S. Maier, A. Thimel, J. Zieger, M. Marquard; Mainz, Ulm, Stuttgart

Digitale Technik- und Medienkompetenzen gelten als Schlüsselkompetenzen, um sich in jeder Alters- und Lebenslage in einer digitalisierten Welt bewegen, an ihr teilhaben und diese mitgestalten zu können. Wie kann die digitale Welt für Menschen im höheren Lebensalter geöffnet werden, die bisher kaum Zugang dazu hatten? Unter welchen Bedingungen und mit welchen Inhalten ermöglichen digitale Zugänge und darauf abzielende Bildungsangebote soziale und digitale Teilhabe?  Der Blick hier richtet sich auf die Menschen im höheren Lebensalter, die in Einrichtungen der institutionalisierten Altenhilfe leben. Ausgehend von den Grundannahmen im Projekt, dass ältere Menschen Expert*innen ihres eigenen Lebens sind, kommt ein partizipatives Forschungs- und Bildungsverständnis zum Einsatz.

Ziel ist, gemeinsam mit älteren Menschen in seniorenspezifischen Wohnformen individuelle, passgenaue Bildungs- und Begleitangebote zu entwickeln und zu gestalten. Untersucht werden dabei auch a) inwiefern peer-to-peer-Ansätze dazu beitragen können, digitale Kompetenzen auf Augenhöhe zu vermitteln, b) inwiefern diese Kompetenzen in die Alltags- und Lebenswelt älterer Menschen wirken und diese verändern und c) welche (digitale) Bildungs- und Lernformate dabei unterstützen. Wir nutzen dabei Synergien mit bereits etablierten ehrenamtlichen Strukturen (Peers) und prüfen Konzepte und Materialien, die sich in der Praxis bewährt haben. Sie dienen uns als Grundlage für die gemeinsame Entwicklung eigener Bildungskonzepte und Materialien, die speziell auf unsere Zielgruppe – sowohl für Menschen im höheren Lebensalter als auch für ihre Peers - zugeschnitten werden. 

In dieser Session stellen wir vor, mit welchen Grundannahmen wir arbeiten, wie unser partizipatives Forschungsdesign aufgebaut ist, welchen Mehrwert wir darin sehen, welche Herausforderungen damit verbunden sein können und berichten über erste Ergebnisse.

14:40
Bildungsbiografien im Alter – Ergebnisse des Literaturreviews
S17-23-3 

I. Himmelsbach, C. Klank, T. de Vries; Freiburg

Im letzten Beitrag dieser Session werden die Ergebnisse des Literaturreviews zu Bildungsbiografieforschung im Alter vorgestellt. Das Review dient als Vorbereitung für die biographischen Interviews zu Bildungsbiographien im Rahmen von DiBiWohn. Vor dem Hintergrund der Fragestellung, inwiefern qualitative Bildungsbiografieforschung sowie ältere Menschen und Altern als Gegenstand in Forschungsarbeiten aufscheinen, wurden umfassende Recherchen zur Definition und Konzeption erziehungswissenschaftlicher Forschung im Bereich Bildungsbiographie und Alter angestellt. Zentrale Elemente des Vortrages sind a) die Synthese von Studien mit älteren Menschen, die sich mit Bildungsbiographien beschäftigt haben sowie b) die methodischen Anforderungen an die Analyse von Bildungsbiographien älterer Menschen. Hervorzuheben ist hierbei vor allem die Methodenvielfalt der ausgewählten Publikationen. Dabei wird sowohl auf theoretische Ansätze im Bereich der Gerontologie, der Erwachsenenbildung als auch der Biografieforschung zurückgegriffen. Die Konzeption der Analysen bildungsbiographischer Interviews im Projektverlauf wird aus dem Review – als Abschluss des Beitrags – vorgestellt.

15:00
Digitalisierung älterer Technikbegleiter*innen – Ergebnisse aus der Teilstudie DigiBegleitung
S17-23-4 

M. Doh, D. Leopold, J. Schlichting; Freiburg, Heidelberg

Hintergrund und Ziel: Ein zentraler konzeptioneller Bestandteil des Verbundprojekts stellt das Peer-to-Peer-Konzept dar: Technikerfahrene ältere Menschen engagieren sich ehrenamtlich als Wissensvermittler*innen und Lernbegleiter*innen für technikunerfahrene bzw. technikverunsicherte ältere Menschen. Um zu dieser speziellen sehr technikaffinen - Personengruppe Basis- und Referenzdaten zum Grad der Digitalisierung, Bildung und Ehrenamt zu generieren, wurde diese Teilstudie durchgeführt.

Methodik: Die quantitative Studie wurde als Online-Survey angelegt und über die beiden Netzwerke der Digitalen Botschafter*innen aus Rheinland-Pfalz (MKFS) und dem Senioren-Internet-Initiativen Baden-Württemberg (ZAWiW) sowie weiteren Multiplikatoren (u.a. Landesmedienzentrum, Stuttgart) beworben. Zielgruppe sind Personen ab 60 Jahren, die die sich im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) engagieren. Die Erhebungsphase erstreckte sich auf Mai und Juni 2021.  Wesentliche Konstrukte umfassten medien-, sozialraum- und personenbezogene Aspekte wie z.B. (digitale) Mediennutzung, subjektive Einschätzung digitaler Kompetenzen, Technikeinstellung, soziale Kontakte, subjektiver Gesundheitsstatus, Wahrnehmung des Älterwerdens, bürgerschaftliches Engagement und Partizipation im Sozialraum sowie Nutzung (digitaler) Bildungsangebote.

Erwartete Ergebnisse: Die empirischen Daten geben Aufschluss über den coronabedingten, digitalen Medienalltag und dem Engagement im Bereich IKT dieser Personengruppe. Hierbei sollen auch Zusammenhänge und Einflussfaktoren zu psychologischen, sozialen und partizipativen Merkmalen aufgezeigt werden. Darüber hinaus bieten die Daten Vergleichsanalysen zu der Teilstudie „DigiBewohn“ und zur bundesweit repräsentativen Studie „Senioren-Internet-Medien“ (SIM), n=3.000, CATI-Verfahren, die im Frühjahr 2021 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) durchgeführt wurde. Damit kann eine Referenzierung der Befunde vorgenommen werden.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse sollen helfen, eine aktuelle Bestimmung der digitalen Transformation und der (digitalen) Bildungsaktivitäten von älteren Menschen vorzunehmen, die sich im Bereich von IKT engagieren. Zudem können aus diesen Befunden Hypothesen für weitere (längsschnittlich angelegte) Forschungsfragen abgeleitet werden, wie auch Implikationen für (digitale) Bildungskonzepte und partizipative Methoden bei der Umsetzung des Peer-to-Peer-Konzepts.

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