Donnerstag, 16.09.2021

10:45 - 12:15

Raum 7

S16-27

Assistive und digitale Technologien bei der Pflege älterer Menschen

Moderation: C. Müller, Siegen

10:45
Assistive Technologien in der Pflege von Menschen mit Demenz – Zu Wissen, Einstellung und Akzeptanz von PflegeberaterInnen sowie formell und informell Pflegenden
S16-27-1 

D. Paulicke, C. Buhtz, S. Hofstetter, D. Stoevesandt, K. Schwarz, P. Jahn; Halle (Saale), Tübingen

Hintergrund: Passgenaue assistive Technologien können unterschiedliche Gruppen von Versorgenden bei der Pflege beispielsweise von Menschen mit Demenz unterstützen. Eine professionelle Beratung zu ihrem Einsatz sollte dabei für formell und informell Pflegende eine zuverlässige Informationsquelle sein. Es ist jedoch so, dass didaktisch aufbereitete Ansätze der professionellen Beratung beispielsweise durch PflegeberaterInnen bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen sind. Ebenfalls liegen evaluierte Beratungs- und Schulungsangebote nur ansatzweise vor. Kenntnisse zur Verfügbarkeit und zum regelhaften Einsatz assistierender Technologien bilden jedoch die Grundlage für zielgerichtete und sichere Interventionen im Rahmen der pflegerischen Versorgung.

Methode: Durch quantitative und qualitative Methoden wurden von PflegeberaterInnen sowie formell und informell Pflegenden aus Sachsen-Anhalt Daten zum Wissen und der Aufgeschlossenheit bezüglich der Anwendung von assistiven Technologien sowie der Fortbildungsbereitschaft erhoben und die Einschätzung hinsichtlich verschiedener didaktischer Ansätze für eine pflegebezogene Technikbildung erfragt.

Ergebnisse: Zwar spielen assistierende Technologien in allen Bereichen pflegerischer Versorgung eine große Rolle. Jedoch zeigt sich am Beispiel der PflegeberaterInnen deutlich, dass assistive Technologien den Befragten zwar teilweise bekannt sind, in pflegerelevanten Informations- und Beratungsstrukturen und damit letztendlich auch als Unterstützung in der pflegerischen Versorgung durch formell und informell Pflegende bisher keine Rolle spielen.

Fazit: Die bisherigen Zugangsmöglichkeiten zu assistiven Technologien sind durch alle Befragten als unzureichend eingeschätzt worden. Informationsbedürfnisse formell und informell Pflegender zu assistiven Technologien müssen verstärkt betrachtet werden, um darauf aufbauend einen potenziellen Nutzen im Pflegeprozess zu eruieren. Evaluierte multimodale Bildungsangebote der Anleitung, Beratung und Schulung, in denen das Erleben, Reflektieren und Anwenden assistiver Technologien im Zentrum steht und die auf die individuellen Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen eingehen sind zu etablieren. Der Kompetenzerwerb führt dann zu einem sicheren Einsatz in der Patientenversorgung und eröffnet neue Möglichkeiten die Qualität der gesundheitlichen Versorgung zu unterstützen und zu verbessern.

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11:10
Unterstützung in der häuslichen Pflege von Menschen mit Demenz durch eine personalisierte Mensch-Roboter-Interaktion („RUBYDemenz“)
S16-27-2 

R. Schramek, J. Mertens, E. Naroska, C. Ressel, V. Reuter, T. Dimitrov, C. Lichteiker, D. Waltring, T. Pozehl; Bochum, Dortmund, Krefeld, Kamp-Lintfort, Berlin

Das interdisziplinäre Projekt RUBYDemenz zielt auf die Optimierung einer personalisierten Mensch-Roboter-Interaktion (MRI), erprobt die Wirksamkeit in der häuslichen Pflegesituation von Menschen mit Demenz (MmD). RUBY ist eine Intervention aus robotischem System, das an eine psychosoziale Begleitung der Nutzenden durch geschulte Begleitende gebunden ist. Untersucht werden: die Wirksamkeit von RUBY, von den individualisierten Funktionen, ob Aktivität u. Selbstwirksamkeit von MmD gestärkt, die Kommunikation u. soziale Teilhabe gefördert werden können, wie die individuelle Begleitung zusammen mit der Technik die Kommunikation zw. Angehörigen u. MmD stärken kann.

Das neue Strukturierungs-, Aktivierungs-, Feedback- u. Kommunikationssystem wird durch die geschulten Begleitenden eingeführt, der Einsatz gemeinsam geübt. Im Alltag eingesetzt soll so der Verbleib Zuhause so lange wie möglich gewährt u. die Lebensqualität der Betroffenen erhalten werden. Die Schulung Begleitender, der Einsatz der MRI u. die psychosoziale Begleitung werden in mehrmonatigen Praxistests in der Häuslichkeit von MmD erprobt u. evaluiert. Gestaltungsfragen u. Optimierungsbedarfe in Entwicklung, Curriculum, Schulung, Forschung, Praxis erfolgen unter Einbezug aller Nutzer*innengruppen (partizipativer Forschungsansatz).

Das robotische System kann mittels natürlicher Sprache mit den Nutzenden interagieren, Emotionen erzeugen und erfassen. Bei der bewusst gewählten Puppengestalt sind die emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten optimiert,  emotionale Wirkungen werden erzeugt. Die Mimik mutet natürlich an. Das System wird den Kontext der Nutzenden erkennen und per Kamera die Nutzenden-Aktivitäten u. die Umgebung analysieren. Auf dieser Basis schließt es, ob und wie es reagieren kann, wobei persönliche Eigenarten u. Vorlieben berücksichtigt werden. Sensible Daten (Bild, Ton) werden lokal in der Wohnung verarbeitet (Schutz der Privatsphäre).

Das System bietet dynamische Programme zur Aktivierung des zu Pflegenden (z.B. Gespräche, Ratespiele), zur Unterstützung im Tagesablauf (z.B. Termine, Erinnerungen). Es kann stressbelastete Situationen erkennen, beruhigend einwirken u. bei Bedarf Kontaktpersonen informieren.

Erkenntnisse zur digitalen Schulung (Corona-Bedingungen), zur Technikkompetenz Begleitender, Ansätze zum Lernmodell u. zu technisch unterstützter „guter“ Pflege (Nutzendensicht) liegen vor u. werden in das Anforderungskonzept eingearbeitet.

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11:35
Der Mensch im Mittelpunkt? – Die Bedeutung des Menschen in Förderprogrammen zu digitalen Technologien zur Unterstützung des Verbleibs in der Häuslichkeit
S16-27-3 

K. Deisenhofer, T. Schmidt, J. Zacher; Kempten

Ausgehend von den gesellschaftlichen und fachlichen Diskursen zu Digitalisierung in der Pflege, dem demografischen Wandel und der Überalterung der Gesellschaft sowie dem Wunsch nach möglichst langem Verbleib in der eigenen Häuslichkeit besteht Interesse daran die Bedeutung des Menschen in Förderprogrammen und Forschungsprojekten im Bereich Alter und Technik näher zu analysieren. Im Rahmen der Analyse soll untersucht werden, welche Themenschwerpunkte in Förderprogrammen im Bereich Alter und Technik gesetzt und inwiefern dem Menschen darin eine Bedeutung beigemessen wird. Unter Berücksichtigung der pflege- und sozialwissenschaftlichen Ausrichtung der dazugehörigen Forschungsprojekte mit dem Schwerpunkt Koordination und Kooperation in Pflegearrangements und deren digitalen Unterstützung soll herausgearbeitet werden, in welchem Verhältnis in der Forschungsförderung technikorientierte und personen- oder akteurszentrierte Fragestellungen im Fokus standen.

Über eine systematische Recherche und Auswertung von Förderprogrammen und Forschungsprojekten auf nationaler Ebene ab dem Jahr 2010 werden in einer zweistufigen vergleichenden Analyse die Forschungsprojekte und Förderprogramme im Hinblick auf die oben aufgezeigten Fragestellungen ausgewertet.  

Als zentrale Erkenntnisse der vergleichenden Analyse kann festgehalten werden, dass es zu einer beobachtbaren wechselnden Konjunktur in der Dominanz sozio-technischer und maschinell-technischer Aspekte bei den Förderprogrammen und den daraus abgeleiteten Forschungsprojekten kommt. Dabei wechseln sich in zyklischen Schleifen technologiegetriebene Entwicklungen mit denjenigen Forschungsaktivitäten ab, die den Menschen und seine lebensweltlichen Settings in den Fokus stellen. Als weitere Erkenntnis kann die Orientierung am Menschen in Förderprogrammen und den dazugehörigen Forschungsprojekten oftmals in Abhängigkeit zu den spezifischen Settings gesehen werden, die sich die einzelnen Förderprogramme zum Schwerpunkt gesetzt haben.

Ausgehend von diesen Analysen sollen Implikationen für die zukünftige Forschungsförderung sowie für die Akteure in Forschungs- und Praxisprojekten abgeleitet werden. Der Einzelbeitrag soll anhand einer nationalen Förderlandkarte darüber hinaus einen grafischen Überblick über aktuelle Förderschwerpunkte und –themen mit Bezug zu den genannten Anwendungsfeldern und identifizierten Themen geben, die in Forschung und Forschungsförderung bislang wenig Beachtung fanden. 

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