Donnerstag, 16.09.2021

09:00 - 10:30

Raum 1

S16-11

Altern in ländlichen Regionen Ostdeutschlands - Handlungsansätze aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg

Moderation: H. Nolde, Potsdam; J. Heusinger, Magdeburg

In dem Symposium werden am Beispiel von zwei ostdeutschen Bundesländern die Bedingungen für ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben im Alter in strukturschwachen, ländlichen Regionen diskutiert. Fachkräftemangel, eine teils unzureichende Infrastruktur und geringe Handlungsspielräume finanzschwacher Kommunen beeinträchtigen vielerorts die Chancen älterer Menschen für ein gutes Altwerden in der vertrauten Umgebung. Die Enquete-Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ im Land Brandenburg hat Handlungsempfehlungen für die künftige Entwicklung von ländlichen Räumen auch mit Blick auf die Verbesserung der Pflege vorgelegt. Diese Empfehlungen werden in einem Beitrag kritisch reflektiert. Vorgestellt werden außerdem zwei Modellprojekte aus Sachsen-Anhalt, die Kommunen bei der Gestaltung altersgerechter Quartiere unterstützen (Beratungsstelle zur kommunalen Quartiersentwicklung in Sachsen-Anhalt - BEQiSA) und das altersgerechte Wohnen im ländlichen Raum fördern sollen (Altersgerecht Wohnen in Sachsen-Anhalt – AwiSA). Die drei Beiträge beleuchten die theoretisch-strategischen bzw. praktisch-lebensweltorientierten Ansätze zur Stärkung der Altersfreundlichkeit ländlicher Räume und diskutieren die damit verbundenen Potentiale und Herausforderungen.

09:00
Altersgerechte Quartiere in ländlichen Regionen. Erfahrungen aus einem Modellprojekt in Sachsen-Anhalt
S16-11-1 

B. Wolter, T. Stellmacher; Berlin

Sachsen-Anhalt ist ein weitgehend ländlich geprägtes Bundesland und in besonderer Weise vom demografischen Wandel betroffen. Die Abwanderung junger Erwachsener im Zuge der Arbeitsmarkt- und Bildungswanderung verstärkt den Fachkräftemangel. Zugleich führt sie dazu, dass die zurückbleibenden älteren und hochaltrigen Menschen häufig nicht mehr über eine ausreichende familiale Unterstützung verfügen, mit der ihnen ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglicht werden kann. Das Modellprojekt „Beratungsstelle zur kommunalen Quartiersentwicklung in Sachsen-Anhalt (BEQISA)“ hat die Aufgabe, dieser Situation insbesondere in ländlichen Kommunen mit einer Stärkung der altersgerechten Quartiersentwicklung zu begegnen. Unterschiedlichen Akteuren in den Kommunen sollen

  • die Bedeutung und der Wert eines Wandels hin zu mehr Altersfreundlichkeit in den Kommunen vermittelt,
  • Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und
  • sie möglichst nachhaltig in ihren Handlungskompetenzen gestärkt werden.

Inhaltlich deckt die Beratungsstelle dabei die Schwerpunkte „Wohnen“, „Versorgung“ und „Einsatz alltagsunterstützender Technik“ ab. Neben der Beratung und Vernetzung von kommunalen Akteuren bildet die Förderung von Mikroprojekten eine zentrale Komponente des Modellprojektes. Über die Mikroprojekte sollen in den Kommunen bestehende personelle und strukturelle Potentiale sowie lebensweltliche und nachbarschaftliche Ressourcen für eine altersgerechte Quartiersentwicklung mobilisiert und (finanzielle und inhaltliche) Impulse für ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben im Alter in ländlichen Regionen gesetzt werden.

In dem Beitrag werden aus der Perspektive der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojektes die Wirkungen dieser Strategie reflektiert sowie, mit Blick auf strukturschwache ländliche Räume, Potentiale und Barrieren für eine altersgerechte Quartiersentwicklung diskutiert.

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09:25
Altern in den ländlichen Regionen Brandenburgs
S16-11-2 

H. Nolde; Potsdam

Die Schaffung gleichwertige Lebensverhältnisse kann als geteiltes Ziel von Bundes- und Landespolitik verstanden werden. Die Diskussion darum ist facettenreich und mehrdimensional. Wenn sie in einer räumlichen Dimension geführt wird, stellt man oft auf die Situation in ländlichen Räumen ab und nimmt dabei Bezug auf demografische Veränderungen, die zu einer Spirale aus Abwanderung und Rückbau von Infrastruktur führen. (Maretzke 2016) Einige Bundesländerparlamente haben Enquete-Kommissionen zu den Auswirkungen des demografischen Wandels eingesetzt, so auch das Land Brandenburg. Der demographischen Wandel ist prägend für den ländlichen Raum im Allgemeinen (Beetz 2007; BMVBS / BBSR 2009; Kröhnert 2011; Maretzke 2016) und hat im Spezifischen auch Auswirkungen auf das Altern im ländlichen Raum (Beetz 2009; Sternberg 2010; Deutsches Zentrum für Altersfragen 2016).

Der Beitrag soll eine kritische Auseinandersetzung mit ausgewählten Handlungsempfehlungen der Enquete Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ im Land Brandenburg mit ihrer Wirkung auf das Älterwerden im Land Brandenburg im Mittelpunkt stehen.

Anhand von Gutachten der Enquete-Kommission soll der Blick geschärft werden für die besonderen Herausforderungen im ländlichen Raum Brandenburgs. Neben ausgewählten Handlungs-empfehlungen wird im Beitrag auf das Gutachten „Situationsanalyse und Ableitung von Handlungsempfehlungen zur dauerhaften Sicherung und Verbesserung der Pflege im ländlichen Raum in Brandenburg“ (Beukert et al. 2018) und das Gutachten „Binnendifferenzierung der demographischen Entwicklungsmuster und -perspektiven im metropolenfernen Raum des Landes Brandenburg“ (Leibert 2019) eingegangen.

In der abschließenden Diskussion wird auf die Frage eingegangen, was der Umbau der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum (Dehne 2013) für das Älterwerden im ländlichen Raum bedeutet.

09:50
Altersgerechte Wohnangebote im ländlichen Sachsen-Anhalt: Ergebnisse einer Bestandsanalyse und Online-Befragung
S16-11-3 

S. Poppe; Magdeburg

Altersgerechte Wohnungen und Wohnquartiere bilden eine entscheidende Grundlage für ein möglichst selbstständiges und gutes Leben im Alter. Sie können wesentlich zu Autonomie im Alter beitragen und (ungewollte) Umzüge in Pflegeeinrichtungen verzögern oder vermeiden (vgl. Meyer 2019). Vor allem im ländlichen Raum sind Bedarf und Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen groß, weil viele Ältere in nicht altersgerechtem Wohneigentum leben. Jedoch fehlt eine Übersicht zur tatsächlichen Versorgungslage in Sachsen-Anhalt, welche Rückschlüsse auf mögliche Defizite für altersgerechtes Wohnen geben kann.

Im Projekt AWiSA (Altersgerecht Wohnen in Sachsen-Anhalt, finanziert aus EFRE-Mitteln und vom Land Sachsen-Anhalt 2019-2022) wurde zunächst zur Identifizierung, Darstellung und Clusterung bereits vorhandener oder in Entwicklung befindlicher Wohnangebote in Sachsen-Anhalt eine Bestandsanalyse durchgeführt. Diese beinhaltete die Suche nach altersgerechtem, barrierefreiem Wohnen in unterschiedlichen Wohnformen, nicht aber Angebote, die sich ausdrücklich bzw. ausschließlich an Pflegebedürftige nach SGB XI richten. Insgesamt konnten über 450 Wohnangebote gefunden werden. Einer ersten Typisierung zufolge, waren davon nur 14 Prozent in ländlichen (unter 5.000 Einwohner) oder peripheren ländlichen Räumen (unter 1.000 Einwohner) zu finden. Gut zwei Drittel der Angebote sind dem Betreuten Wohnen/ Wohnen mit Service zuzuordnen. Den Großteil der Angebote stellen soziale und private Anbieter. Die Ergebnisse geben einen ersten geordneten Überblick über die Versorgungslage hinsichtlich Anzahl, Lage, Trägerschaft und Angebotsspektrum von Wohnangeboten. Um mögliche Barrieren und Ressourcen für die Umsetzung altersgerechter Wohnprojekte zu erfassen, wurden im zweiten Schritt die identifizierten Wohnangebote mittels einer Online-Erhebung befragt. Dabei wurden Informationen zum Aufbau altersgerechter Wohnangebote, die Bewohner*innen-Struktur sowie die Entstehung der Wohnangebote erhoben. Die Ergebnisse der Befragung werden zum Zeitpunkt des Beitrages vorliegen.

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