Donnerstag, 16.09.2021

13:30 - 15:00

Raum 5

S16-35

Alte und neue Herausforderungen der kommunalen Seniorenarbeit und Altenhilfe: Lehren aus der Corona-Pandemie

Moderation: B. Eifert, Dortmund

Vor dem Hintergrund aktueller sozialer und technologischer Entwicklungen und einer damit einhergehenden weiteren Ausdifferenzierung von Lebenslagen im Alter ergeben sich auf der kommunalen Ebene eine Reihe von Herausforderungen für die gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit und Altenhilfe.  Kommunale Akteure und Träger von Angeboten für, mit und von älteren Menschen sind gefordert, den sich verändernden Lebensverhältnissen und Lebensformen im Rahmen der Daseinsvorsorge Rechnung zu tragen und ihre Beiträge zu deren Gestaltung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dabei gilt es insbesondere Aspekte sozialer und regionaler Ungleichheit in den Blick zu nehmen und zu berücksichtigen, dass ältere Menschen in prekären Lebenslagen mit geringen materiellen und immateriellen Ressourcen von der aktuellen Corona-Pandemie und ihren Folgen verstärkt betroffen sind. Gleichzeitig hat die Corona-Krise neue, flexible und kreative Ansätze des sozialen Austausches und der sozialen Unterstützung hervorgebracht sowie zu einer stärkeren Nutzung digitaler Lösungen beigetragen. Damit Angebote zur Gewährleistung von sozialer Teilhabe und Unterstützung im Alter im Rahmen kommunaler Seniorenpolitik wirkungsvoll bereitgestellt werden können, braucht es zu den Bedarfen Älterer passende Strukturen und Institutionen, zielgruppengerechte Angebote und innovative Projekte, um ältere Menschen in ihrem jeweiligen Sozialraum und in ihrer Lebenswelt zu erreichen. Im Rahmen des Symposiums werden hierzu aktuelle Untersuchungsergebnisse aus drei Forschungsprojekten und Erfahrungen aus der Praxis der kommunalen Seniorenpolitik und –arbeit vorgestellt und diskutiert. Gemeinsam mit den Teilnehmenden soll erörtert werden, welche Schlussfolgerungen sich im Hinblick auf alte und neue Herausforderungen auf der kommunalen Ebene ergeben und welche Lehren sich aus der Corona-Pandemie ziehen lassen.

13:30
Angebote die ankommen: Bürgerfreundliche Gestaltung von Beratung, Unterstützung und Hilfe im Alter
S16-35-1 

B. Bertermann, S. Lechtenfeld, E. Olbermann, C. Strünck; Dortmund, Siegen

Zur Realisierung des weitverbreiteten Wunsches älterer Menschen, möglichst lange, selbständig und selbstbestimmt im häuslichen Umfeld leben zu können, sind zugängliche Informationen und Beratung sowie konkrete Unterstützungs- und Hilfsangebote vor Ort erforderlich. Den Kommunen, als Orte, in denen die Menschen leben, Angebote benötigen und in Anspruch nehmen, kommt hierfür eine zentrale Stellung zu. Viele Angebote der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit haben einen präventiven Charakter und tragen u.a. dazu bei, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder hinauszuzögern. Jedoch wird immer wieder festgestellt, dass vorhandene Angebote ältere Menschen nicht erreichen.

Warum aber gelingt es in bestehenden Strukturen der Seniorenarbeit und Altenhilfe häufig nicht, bestimmte Gruppen älterer Menschen zu erreichen? Diese Fragestellung wird u.a. im Projekt „Angebote, die ankommen: Bürgerfreundliche Gestaltung von Beratung, Unterstützung und Hilfe im Alter“ (gefördert durch: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen; Laufzeit 01/2020-12/2022) bearbeitet. Ziel ist es, weiterführende Erkenntnisse zu gewinnen, wie Angebote der Seniorenarbeit und Altenhilfe genutzt werden und welche Barrieren es dabei gibt. Es soll überprüft werden, ob, unter welchen Umständen und zu welchem Zeitpunkt des Unterstützungs- oder Hilfebedarfs Angebote bei älteren Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen ankommen. Denn davon hängt unter anderem ab, ob die Angebote nachhaltig Wirkung entfalten können. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Angebote im Bereich der Seniorenarbeit und Altenhilfe für mehr Menschen zugänglich zu machen und ihre Wirkungen zu verbessern. Konkret sollen Ansatzpunkte und Maßnahmen für eine bedarfsgerechte konzeptionelle und praktische Weiterentwicklung von Angebotsstrukturen für (ältere) Menschen auf der kommunalen Ebene aufgezeigt werden.

Hierzu werden - neben einer Literaturanalyse und einer vergleichenden Analyse kommunaler Strukturen der Seniorenarbeit und Altenhilfe - qualitative Befragungen und Fallstudien mit älteren Menschen, deren Zu- und Angehörigen sowie haupt- und ehrenamtlich Unterstützenden durchgeführt, um Bedarfe und Erfahrungen in konkreten Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfesituationen zu untersuchen. In dem Vortrag werden erste Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

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13:50
Was Seniorenbüros in Nordrhein-Westfalen leisten (können): Ergebnisse einer Evaluationsstudie
S16-35-2 

E. Olbermann, M. Kühnel; Dortmund

Seniorenbüros sind in den 1990er Jahren orientiert am Leitbild der „Neuen Alten“ entstanden mit dem Ziel der Förderung eines selbstbestimmten Lebens im Alter und der gesellschaftlichen Mitgestaltung älterer Menschen. Sie haben sich je nach kommunalen Kontexten und Rahmenbedingungen unterschiedlich weiterentwickelt und weisen heute eine große Heterogenität im Hinblick auf die Organisation und inhaltliche Ausrichtung ihrer Arbeit auf. Derzeit gibt es bundesweit ca. 450 Seniorenbüros, wovon sich ca. 120 in Nordrhein-Westfalen befinden. Seniorenbüros sind damit ein wesentliches Strukturelement der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit in Nordrhein-Westfalen. Allerdings gibt es kommunenübergreifend nur wenig Informationen zu deren Arbeitsweise und ihren Wirkungen.

Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Gerontologie an der TU Dortmund in Kooperation mit 4k Projekte Berlin im Auftrag des Ministeriums fu¨r Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) eine Untersuchung zur Evaluation der Organisationsformen und Leistungsbereiche von Seniorenbüros in NRW durchgeführt (Durchführungszeitraum: 09/2018- 09/2019). Neben der Erhebung zentraler Strukturmerkmale wurde untersucht, wie die Seniorenbüros ihre Aufgaben und deren Umsetzung wahrnehmen. Auf der Grundlage eines Mixed-Method-Ansatzes (Strukturanalyse, Experteninterviews mit Ansprechpersonen aus Kommunen und einschlägigen Fachnetzwerken, Online-Gruppendiskussion mit Vertreter*innen ausgewählter Seniorenbüros, Online-Befragung der Seniorenbu¨ros in NRW, Fokusgruppe mit Vertreter*innen von Seniorenbüros und Multiplikator*innen der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit) wurden umfassende und differenzierte Ergebnisse zur Arbeit der Seniorenbüros gewonnen und Handlungsempfehlungen zu vier Akteursebenen (Seniorenbu¨ros, LaS/BaS, Kommunen, Land) erarbeitet. Im Rahmen des Beitrages werden ausgewählte Ergebnisse vorgestellt und mit Blick auf zukünftige Herausforderungen der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit  sowie Entwicklungsperspektiven von Seniorenbüros diskutiert.

14:10
Kommunale Altenhilfe in Corona-Zeiten: Strategien und Erfahrungen aus dem Märkischen Kreis
S16-35-3 

T. Sauer; Altena

Die aktuelle Corona-Pandemie und die kontaktreduzierenden Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen haben auch bei uns im Märkischen Kreis starke Auswirkungen auf die Situation von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen. Die persönliche Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung wurde bis auf weiteres ausgesetzt. Die Begutachtung zur Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt auf Grundlage der vorliegenden Informationen sowie eines Telefonats. Auch die Tagespflegen im Kreisgebiet haben ihre Öffnungszeiten stark eingeschränkt.

Unsere Pflegeberater*innen des Kreises sind aber auch in diesen Zeiten der Ausbreitung des Coronavirus erreichbar und unterstützen bei der Organisation einer Pflegesituation vor Ort. Um das Infektionsrisiko während der Corona-Pandemie besonders für die Senioren*innen und die Mitarbeiter*innen zu reduzieren, haben wir unser Angebot auf die telefonische und schriftliche Beratung beschränkt. Hausbesuche finden bis auf Weiteres in gleicher Beratungsqualität telefonisch statt. Das kostenlose Beratungsangebot des Kreises richtet sich gerade auch an Personen, die aufgrund der aktuellen Situation in die Lage kommen, einen Angehörigen versorgen zu müssen, oder die sich über Angebote vor Ort erkundigen wollen.

Um die pflegerische Versorgung im ambulanten und stationären Sektor aktuell bewerten zu können, haben wir im ersten Schritt alle Pflegeeinrichtungen telefonisch zu den Themen Versorgungssituation, Personalsituation und Hygienemaßnahmen befragt. Durch die Befragung wissen wir zum Beispiel, dass viele Senior*innen und Angehörige im ambulanten Bereich von sich aus die Unterstützungsleistungen (Hauswirtschaft, Betreuung) wegen der Corona-Pandemie eingeschränkt haben. Dagegen werden Angebote wie Einkaufshilfen stärker nachgefragt. Mit einer neuen Vermittlungsplattform „Hilfe - Finden und anbieten“, bieten wir zudem interessierten Personen die Möglichkeit, sich zu engagieren oder Einrichtungen des Gesundheitswesens zu unterstützen. Einrichtungen haben die Möglichkeit, Unterstützungsbedarf zu melden. In dem Beitrag werden bisherige und im weiteren Verlauf der Pandemie gewonnene Erfahrungen vorgestellt sowie mögliche Auswirkungen auf die Gestaltung der Seniorenarbeit und Altenhilfe nach der Corona-Pandemie erörtert.

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14:30
Wohnortnahe Angebote zur Stärkung digitaler Kompetenz: Wichtiger denn je
S16-35-4 

A. Ehlers; Dortmund

Wie sehr die soziale Teilhabe älterer Menschen von der kompetenten Nutzung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) abhängt, hat die Corona-Pandemie mehr als deutlich gemacht. Auf kommunaler Ebene sind vielerorts in den vergangenen Jahren unterschiedliche Formate (Kurse, Internet-Cafés, zugehende Angebote etc.) entstanden, um ältere Menschen an die Nutzung digitaler Technik heranzuführen. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben die Anbieter*innen vor große Herausforderungen gestellt: Präsenzveranstaltungen waren und sind entweder gar nicht oder nur mit stark reduzierter Teilnehmer*innenzahl möglich. Online-Formate sind für Zielgruppen ohne Vorkenntnisse (und oft ohne notwendige technische Ausstattung) ungeeignet oder nur mit hohem Zeit- und Personalaufwand umsetzbar. Angebote, die in vielen Kommunen durch freiwillig engagierte Kursleiter*innen getragen werden, sind oft nur bedingt in der Lage, auf diese Krisensituation mit hohen personellen und finanziellen Ressourcen zu reagieren. Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Erkenntnissen ziehen?

In einer Teilstudie des laufenden Projekts „Supporting digital literacy and appropriation of ICT by older people (ACCESS)”, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, wurden Teilnehmer*innen von IKT-Kursen für ältere Menschen ohne oder mit geringen Vorkenntnissen zu drei Messzeitpunkten befragt (n=214, standardisierter Fragebogen zu Beginn und am Ende des Kurses sowie nach 12 Monaten). Themen waren die Nutzung digitaler Geräte, die Motivation für die Kursteilnahme und Veränderungen in der digitalen Kompetenz im Projektverlauf. Zusätzlich wurde untersucht, inwieweit das Interesse an digitaler Technik aufgrund der Pandemie gestiegen ist. In Expert*inneninterviews wurde thematisiert, wie Kursanbieter*innen mit den Herausforderungen der Corona-Situation umgehen.

Mehr als 60 % der Kursteilnehmer*innen gaben an, dass ihr Interesse an digitaler Technik aufgrund der Corona-Pandemie gestiegen ist. 19 % möchten in ihrem Alltag im Umgang mit digitaler Technik weniger auf die Hilfe anderer angewiesen sein. 16 % der Befragten haben in ihrem privaten Umfeld niemanden, der sie im Umgang mit IKT unterstützen kann. Den steigenden Bedarf an wohnortnahen Schulungsangeboten zu digitaler Technik bestätigen die interviewten Expert*innen. Der Beitrag geht auf Möglichkeiten und Hemmnisse der untersuchten Kurse ein und diskutiert Anforderungen an Angebote zur Stärkung digitaler Kompetenz.

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Diskutant C. Strünck, Siegen

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