Poster

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„Erfolgreiches“ Altern bis ins hohe Alter? Ergebnisse der Hochaltrigenstudie NRW80+ (NRW Forschungskolleg GROW)
 

M. Plugge; Köln

Hintergrund: Der demografische Wandel führt aufgrund der stetig steigenden Lebenserwartung zu einer Gesellschaft, in der die Gruppe hochaltriger Menschen stark wächst. Daher ist es von großer Relevanz, Konzepte des Alterns für über 80-Jährige zu untersuchen. Über das zwar kontrovers diskutierte aber nichtsdestotrotz etablierte sozialgerontologische Konzept des erfolgreichen Alterns liegen umfassende empirische Befunde vor. Jedoch wurde die Eignung des Konzepts für Hochaltrige bislang weder empirisch noch konzeptuell überprüft.

Ziele: (1) Im ersten Teilschritt des Dissertationsprojekts liegt der Fokus auf der empirischen Gegenüberstellung objektiver und subjektiver Kriterien des erfolgreichen Alterns im hohen Alter. Auf dieser Grundlage werden konzeptuelle Anpassungen erarbeitet. (2) Im zweiten Teilschritt werden Alternativindikatoren des erfolgreichen Alterns in Bezug auf Merkmale sozialer Ungleichheit untersucht. (3) Im dritten Teil soll die Prozesshaftigkeit des erfolgreichen Alterns fokussiert werden.

Methodik: (1) Empirische Analysen mittels eines Querschnittsdatensatzes Hochaltriger in Nordrhein-Westfalen (NRW80+, N=1.863) geben anhand logistischer und linearer Regressionsmodelle einen Überblick über „erfolgreich“ Alternde im vierten Lebensalter. (2) Der zweite Teilschritt umfasst u.a. Mediationsanalysen zur Rolle der Bildung bei Hochaltrigen. (3) Mit den Daten eines zweiten Befragungszeitpunktes der NRW80+-Hochaltrigenstudie werden empirische Längsschnittanalysen durchgeführt und auf eintretende Lebensereignisse hin untersucht.

Ergebnisse: (1) 9 % der Hochaltrigen altern „erfolgreich“. Ein Drittel der Befragten erfüllen sogar vier bis fünf der objektiven Kriterien von Rowe & Kahn. Subjektive Bewertungsmaßstäbe wie beispielsweise Lebenszufriedenheit und positives Alternserleben weisen hingegen höhere positive Werte auf. Normativ kritisch wird die hier verwendete Operationalisierung an die Gruppe der Hochaltrigen angepasst. (2) Es werden bezüglich des Bildungsgradienten bei Hochaltrigen Unterschiede in der erfolgreichen Lebensführung erwartet. (3) Ergebnisse zu diesem Teilschritt werden Mitte 2021 erwartet.

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Die Auswirkungen der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit (NRW Forschungskolleg GROW)
 

H. Kukla, J. Strupp, R. Voltz; Köln

Hintergrund: Die psychosoziale Begleitung spielt in der letzten Lebensphase eine wichtige Rolle. Die aktive Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer wird als mögliche Determinante einer hohen subjektiven Lebensqualität in der letzten Lebensphase diskutiert. Es bestehen unterschiedliche Ansätze zur Auseinandersetzung: z.B. theoretische Wissensvermittlung, psychotherapeutische Gesprächsformen oder erfahrungsbasiertes Lernen. Zu den Auswirkungen der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit bestehen nach aktuellem Wissensstand keine eindeutigen Erkenntnisse.

Fragestellung: Wie wirkt sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit auf das psychosoziale Wohlbefinden aus? Die übergeordnete Fragestellung soll über zwei Teilprojekte und -fragen beantwortet werden:

1) Was ist über Auswirkungen der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit bei Menschen ab 60 Jahren und lebenslimitierend erkrankten Menschen bekannt?

2) Welche Erfahrungen und Wünsche zur Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit bestehen bei hochaltrigen und lebenslimitierend erkrankten Menschen?

Methoden: Zur Beantwortung der ersten Frage wurden (1) quantitative und qualitative Studien mittels der Metasummary-Methode in einem systematischen Review zusammengefasst. Auf Grundlage der Review-Ergebnisse wurden (2) semistrukturierte Interviews mit Personen ab 80 Jahren und lebenslimitierend erkrankten Personen geführt und thematisch analysiert.

Ergebnisse: (1) Die Synthese der 49 eingeschlossenen Studien zeigt, dass sich alle Ansätze tendenziell positiv auf Wohlbefinden, Lebensqualität, Angst vor dem Sterben und Depression auswirken. (2) Erste Ergebnisse zeigen selten eine ablehnende Haltung gegenüber der Thematik. Viele Gesprächspartner*innen berichteten von einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Lebensende, die sich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt.

Zusammenfassung: Handlungsempfehlungen für die Praxis zu Inhalten und Umfang von Angeboten der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit können abgeleitet werden.

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Caring Community Köln – Die Versorgung und Begleitung der letzten Lebensphase als großstädtisches Projekt (NRW Forschungskolleg GROW)
 

L. Valerius, F. Schulz-Nieswandt, R. Voltz; Köln

Hintergrund: Das Konzept einer Caring Community rückt sozialraumorientierte Sorgemodelle und Hilfenetzwerke in den Mittelpunkt der Versorgung jenseits der klassischen institutionalisierten Sterberäume. Die Millionenstadt Köln verfolgt das Ziel, die Stadtgesellschaft im Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer zu stärken und Sorgestrukturen zwischen Gesellschaft und Versorgenden zu fördern. Im urbanen Kontext gewinnen dabei quartiersspezifische Lösungen jenseits des familiären Raumes zunehmend an Bedeutung.

Fragestellung: Das Dissertationsprojekt untersucht, welche netzwerktheoretischen Faktoren bei der Implementierung einer Caring Community zur Verbesserung der Versorgung in der letzten Lebensphase in Köln förderlich beziehungsweise hinderlich wirken. Zur Beantwortung dieser übergeordneten Forschungsfrage sollen u.a. folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Welche Faktoren sind beim Aufbau und der Implementierung einer Caring Community relevant?
  • Wie hat sich die Bedeutsamkeit der Thematik der letzten Lebensphase durch die COVID-19-Pandemie verändert?

Methodik: Mithilfe teilnehmender Beobachtungen verschiedener Gremien des Projekts sowie ExpertInneninterviews mit PraxispartnerInnen werden die Rahmenbedingungen für die Implementierung der Caring Community untersucht. Eine Online-Befragung der Kölner Stadtgesellschaft erfasst die Wahrnehmung der Thematik letzte Lebensphase während der COVID-19-Pandemie.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen ein heterogenes Bild der Intentionen der Beteiligten (Stadtgesellschaft, Versorgende, Politik und Verwaltung) bei der Umsetzung. Das Fehlen von Nähe, die Angst vor sozialer Isolation älterer und kranker Menschen sowie die unzureichende Begleitung Sterbender und Angehöriger bereiten während der Pandemie zunehmend Sorge. Die Notwendigkeit einer (öffentlichen) Auseinandersetzung mit der Thematik letzte Lebensphase wird intensiver wahrgenommen.

Schlussfolgerung: Für die nachhaltige Konzeption einer Caring Community in einer heterogenen Stadtgesellschaft sind gemeinsame Werte und Visionen sowie der Einbezug und Austausch von Stadtgesellschaft und Versorgenden von wesentlicher Relevanz. Die einschneidenden pandemiebedingten Veränderungen bewirken sowohl eine kritische Sicht auf die institutionalisierte Sorgelandschaft wie auch eine veränderte Wahrnehmung des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft.

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Organisationale Determinanten der Aktivierung und Lebensqualität über 80-jähriger Bewohner der stationären Langzeitpflege in Deutschland
 

M. Zirves, H. Pfaff; Köln

Hintergrund: Im Zuge des demographischen Wandels wird für die kommenden Jahre auch in Deutschland eine vermehrte Heimunterbringung prognostiziert. Eine Heimübersiedlung bringt Änderungen mit sich, die sich auf die Lebensqualität eines Individuums auswirken. Zudem wird Institutionen nachgesagt, depressives und abhängiges Verhalten im Alter zu verstärken. Der Einfluss stationärer Pflegeeinrichtungen bzw. weiter gefasst organisationaler Determinanten auf die Lebensqualität Hochaltriger spielt demnach zusehends eine Rolle.

Fragestellung: Übergeordnet soll die Frage beantwortet werden, wie sich organisationale Determinanten der Versorgungsqualität auf die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen auswirken, die in Deutschland in stationären Pflegeeinrichtungen leben. Als Rahmen gilt erstens die Annahme, dass die Teilnahme von Bewohnern der stationären Langzeitpflege an Aktivitäten einen Einfluss auf deren Lebensqualität hat (1). Ob Pflegeheimbewohner aktiviert werden, hängt davon ab, ob kontinuierlich und ausgebildetes Personal vorhanden ist, das sich dieser Aufgabe annimmt. So ist zweitens die Vermutung, dass das Personalmanagement Einfluss auf die Aktivierung der Bewohner nimmt (2). Drittens ergibt sich die Hypothese, dass die Organisation (Pflegeheim) insgesamt einen Einfluss auf das Outcome (Lebensqualität) des Bewohners hat (3).

Methoden: (1) Statistische Auswertungen des Querschnitts-Datensatzes aus NRW80+ (deskriptive Analyse, Korrelations- und Regressionsberechnungen); (2+3) Statistische Auswertungen der im Rahmen des Projektes inQS des Diözesan Caritasverbandes für das Erzbistum Köln e.V. erhobenen Ergebnisindikatoren (Mehrebenenanalysen).

Ergebnisse: Ergebnisse aus (1) zeigen, dass die Variabilität in der Ausführung von Aktivitäten positiv und moderat stark mit dem positiven Affekt von Bewohnern der stationären Langzeitpflege zusammenhängt. Im zweiten Schritt gilt es zu prüfen, inwiefern Pflegeheime in Deutschland Aspekte der selbstständigen Gestaltung des Alltagslebens unterstützen und inwiefern Pflegepersonal und Organisation insgesamt hierauf Einfluss nehmen.

Zusammenfassung: Es wird untersucht, wie sich Wohnverhältnisse und Bewohneraktivierung in Pflegeeinrichtungen in Deutschland auf die Lebensqualität der Bewohner auswirken. Die Rolle der Management- und Pflegequalität für die Lebensqualität hochaltriger Bewohner wird verdeutlicht.

P05 
Patientenzentrierte ambulante Versorgung von über 80-Jährigen (NRW Forschungskolleg GROW)
 

A. Herrler, S. Stock; Köln

Hintergrund: Die Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland geht  davon aus, dass sich die Altersgruppe der über 80-Jährigen in den kommenden 40 Jahren verdoppeln wird. Um eine hochwertige,  patientenzentrierte Versorgung für sie gewährleisten zu können, ist es notwendig, ihre besonderen Lebensumstände sowie Versorgungspräferenzen zu verstehen.

Fragestellung: Die übergeordnete Fragestellung dieses Dissertationsprojekts ist: Wie sollte die ambulante Versorgung von über 80-Jährigen gestaltet sein? Sie soll über drei Teilprojekte und -fragen beantwortet werden:

1) Was ist international über die ambulanten Versorgungspräferenzen dieser Gruppe bekannt?

2) Welche ambulanten Versorgungspräferenzen und -erwartungen haben über 80-Jährige in Deutschland?

3) Welche Herausforderungen, Chancen und Unterstützungsbedarfe kennzeichnen die Versorgung über 80-Jähriger aus Sicht der ambulant tätigen (Zahn-)Mediziner/-innen?

Methoden: Zur Beantwortung der ersten Frage wird (1) eine systematische Übersicht qualitativer Studien erstellt und einer thematischen Analyse unterzogen. Die Ergebnisse dieser Metasynthese werden zur Erstellung eines Leitfadens genutzt, mit dem anschließend (2) semistrukturierte Interviews mit Personen ab 80 Jahren in Köln und Umgebung durchgeführt werden. Auf Basis dieser Erkenntnisse erfolgt schließlich (3) ein qualitativer Onlinesurvey mit ambulant tätigen (Zahn-)Mediziner/-innen.

Ergebnisse: In die Metasynthese wurden 22 qualitative Studien eingeschlossen, die hauptsächlich in Europa durchgeführt wurden. Es zeigten sich zwei grundlegende Themen aus der Perspektive der über 80-Jährigen: sich sicher zu fühlen und in der Beziehung zu Versorgenden Wertschätzung zu erfahren. Teilprojekt 2 startete 2020 und verzögert sich aufgrund der Coronapandemie, Teilprojekt 3 wird 2021 durchgeführt.

Zusammenfassung: Die Erkenntnisse haben das Potenzial, insbesondere die individuelle und allgemeine Versorgungsplanung zu informieren und entsprechend den Erfordernissen der über 80-Jährigen zu gestalten.

P06 
Partnerschaftliche Lebensformen und Partnerschaftsauflösungen im hohen Alter (NRW Forschungskolleg GROW)
 

S. Mauritz, M. Wagner; Köln

Hintergrund: Obwohl sich viele Studien mit der Pluralisierung von Lebensformen beschäftigen, untersuchen nur wenige Beiträge die Partnerschaften der über 80-Jährigen. Insbesondere über neue Lebensformen wie Living-apart-together-Beziehungen (LAT), nicht-eheliche Lebensgemeinschaften oder Wohngemeinschaften und über die Auswirkungen von Partnerschaftstransitionen ist in dieser Altersgruppe wenig bekannt. Ebenso wissen wir wenig darüber, ob sich bestehende Erkenntnisse für das jüngere Alter auf das hohe Alter übertragen lassen. Das vorliegende Projekt geht deshalb den Fragen nach, wie vielfältig partnerschaftliche Lebensformen im hohen Alter sind und welche Konsequenzen sich aus ihrer Auflösung ergeben.

Methode: Als Datengrundlage dient die repräsentative Studie „Lebensqualität und Wohlbefinden hochaltriger Menschen in Nordrhein-Westfalen (NRW80+)“ (n=1.863). In einem ersten Schritt werden neben deskriptiven Statistiken zur Verteilung der Lebensformen Entropiemaße zur Beschreibung ihrer distributiven Vielfalt berechnet. Im zweiten Schritt werden mit LAT-Beziehungen eine besondere Lebensform im hohen Alter im Speziellen untersucht. Abschließend werden mit multivariaten Regressionsmodellen mit den Paneldaten der NRW80+-Studie (n=912) die Auswirkungen von Verwitwungen auf den Gesundheitszustand analysiert.

Erste Ergebnisse: Mit steigendem Alter geht die Heterogenität der Lebensformen zurück. In Relation zu anderen Partnerschaftsformen steigt jedoch der Anteil von LAT-Beziehungen – insbesondere unter Verheirateten – mit zunehmendem Alter an. Ebenso wächst der Anteil von Partnerlosen, die mit anderen Personen aus Familie und Freundeskreis zusammenleben.

Ausblick: Neue Lebensformen spielen also auch im hohen Alter eine Rolle. Da Partnerschaften mit einer Vielzahl von positiven Merkmalen assoziiert sind, kann ihre Untersuchung dazu beitragen, spezifische Unterstützungsangebote z.B. für pflegende Partner zu entwickeln. Hierfür werden in einem weiteren Schritt auch Partnerschaftsübergänge und die daraus resultierenden Konsequenzen analysiert.

P07 
Demenzdiagnostik bei gehörlosen Menschen: Adaption eines Screeningverfahrens in Deutscher Gebärdensprache
 

L. Stockleben, T. Kaul; Köln

Demenz ist eine weitverbreitete Erkrankung in der Gruppe der alten und sehr alten Menschen. Eine umfassende, sprachlich und kulturell angemessene Demenzdiagnostik ist die Grundlage für eine gute, angemessene Versorgung. Für Menschen mit Verdacht auf eine Demenz stehen neuropsychologische Screeningverfahren zur Diagnostik zur Verfügung (DemTect, MMST, ACE-R, MoCa). Für sprachliche und kulturelle Minderheiten zeigen sich Herausforderungen in der Versorgung und oftmals fehlt es an angemessener Diagnostik. Dies betrifft auch gehörlose Menschen, also Menschen, die seit Geburt oder vor dem Spracherwerb gehörlos sind bzw. wurden und die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als sicherstes Kommunikationsmedium nutzen. Gehörlose Menschen verstehen sich selbst als sprachliche und kulturelle Minderheit und gelten als Streuminorität. Eine barrierefreie und valide Diagnostik gehörloser Menschen ist ausschließlich in DGS möglich. Es fehlt jedoch gänzlich an spezifischer Demenzdiagnostik in DGS in Deutschland. Diagnosen werden falsch oder nicht gestellt und infolgedessen steigt das Risiko einer Unter- bzw. Fehlversorgung. Das bislang einzige neuropsychologische Demenzscreeningverfahren für gehörlose Menschen wurde in Großbritannien in Britischer Gebärdensprache (BSL-CST) entwickelt, um eine kultursensible Demenzdiagnostik zu ermöglichen. Um auch hierzulande die Versorgung gehörloser Menschen mit Demenz zu verbessern, wird für die Zielgruppe gehörloser Menschen ein kultursensibles Demenztestinstrument in DGS entwickelt. Dazu wird der BSL-CST in DGS kulturell adaptiert. Um äquivalente Testitems auszuwählen, zu entwickeln und zu validieren, werden zum einen eine linguistische Normenstudie (Ikonizität, Erwerbsalter und Bekanntheit) sowie zum anderen eine Fokusgruppe mit Fachkräften aus Pflege, Soziale Arbeit und Psychologie aus gehörlosenspezifischen Kontexten durchgeführt. Abschließend wird das adaptierte Testinstrument, der DGS-CST, pilotiert. Um Möglichkeiten der Implementierung herauszuarbeiten, wird zusätzlich eine Umfragestudie in der Gehörlosengemeinschaft durchgeführt sowie die Ergebnisse vertiefend in Experteninterviews reflektiert. Der Beitrag stellt die besonderen Bedarfe von Minderheitengruppen, am Beispiel gehörloser Menschen, in den Fokus und präsentiert die Notwendigkeit kultursensibler Diagnostik um die Versorgung von (gehörlosen) Menschen mit Demenz zu verbessern.

P08 
Telemedizin für ältere Menschen mit chronischer Erkrankung - Evaluation einer telemedizinisch unterstützten Lebensstilintervention für Menschen mit Diabetes Typ 2
 

A. Dunkel, M. Wunderlich, S. Zank, M. C. Polidori Nelles, C. Woopen; Köln

Hintergrund: Diabetes Mellitus (DM) ist mit mehr als 9,5 Mio. betroffenen Menschen in Deutschland eine sehr häufige und mit hohen Kosten verbundene chronische Erkrankung mit steigender Prävalenz, insbesondere mit zunehmendem Alter. Etwa 95% der Diabetiker leiden an Diabetes Typ2 (DMT2). Hier haben sich Modifikationen des Lebensstils als wirkungsvolle Therapiemethode gezeigt. Diese Therapieform der Lebensstilintervention zeigt vor allem durch Verbesserungen des Selbst-Managements und der Selbstwirksamkeit Erfolge und umfasst u.a. Verhaltensschulungen, Ernährungstherapien, Steigerung der körperlichen Aktivität, Raucherentwöhnung und Stressbewältigungsstrategien. Dennoch kommt dieser Ansatz bei nur knapp 10% aller Typ2-Diabetiker:innen in Deutschland zur Anwendung. Häufig genannte Gründe hierfür sind Zeit- und Kostenfaktoren, fehlende Informationen durch den behandelnden Arzt sowie der nicht wahrgenommene Nutzen durch Patienten. Hier können mobile, digitale Gesundheitstechnologien und Telemedizin neue Interventionsformen unterstützen und dadurch Angebots- sowie Nutzungsstrukturen verbessern.

Methoden: In Kooperation mit einer privaten Krankenversicherung wird eine zweiarmige, randomisierte Interventionsstudie evaluiert, die sich in der Interventionsgruppe aus einem einjährigen Telefon-Coaching zur Modifikation des eigenen Lebensstils und der Nutzung digitaler Gesundheitstechnologien (Tablet, Blutzuckermessgerät, Schrittzähler) zusammensetzt. Alle über die technischen Geräte täglich erfassten Werte (Nüchternblutzucker, Hypo- und Hyperglykämien, Schrittanzahl) werden automatisch gesammelt und an den jeweiligen Coach übertragen. Die Kontrollgruppe erhält die normale Regelversorgung. Zudem werden in beiden Gruppen nach 3, 6 und 12 Monaten im Interventionszeitraum sowie 12 Monate nach Interventionsende Daten zu Diabetes-Selbstmanagement, Selbstwirksamkeit, Gesundheitszustand, Techniknutzung medizinische Parameter, wie HbA1c und BMI, sowie gesundheitsökonomische Daten erhoben.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen signifikante Erfolge der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe zu allen drei Messzeitpunkten im Jahr der Intervention. Die stärksten Veränderungen zeigen sich zu Beginn der Intervention, die besten Werte sowie eine Stabilisierung dieser jedoch erst im späteren Verlauf.

P09 
Bereitschaft zur Teilnahme an partizipativer Forschung in der Schweizer Wohnbevölkerung A. Seifert; Olten/CH
 

A. Seifert; Olten/CH

Mit diesem Input werden Ergebnisse einer nationalen Studie aus der Schweiz vorgestellt werden, die Ende 2020 durchgeführt wurde. Im Rahmen einer repräsentativen Befragung (N = 1’394 Personen) der Schweizer Bevölkerung ab 18 Jahren wurden Erfahrung, Meinung, Einstellung und Motivation zu partizipativen Formen der Forschung erhoben. Durch eine repräsentative Studie der Bevölkerung konnte eine belastbare Basis für zukünftige Studien erbracht werden. Die folgenden Fragen standen hierbei im Fokus: a) Welche Einstellungen und Meinungen haben Schweizer Bewohnerinnen und Bewohner zur Beteiligung an Forschung?, b) Sind Sie motiviert und bereit, sich an partizipativen Projekten zu beteiligen und c) welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sich Bürgerinnen und Bürger an einem Projekt beteiligen würden? Von den befragten Personen sind 9.8% vertraut mit dem Begriff «Citizen Science» und 19.1% mit dem Begriff «Partizipative Forschung». Nach Erläuterung, was wir unter «partizipativer Forschung» verstehen, wurden die Personen gefragt, ob sie selber schon einmal an einem solchen Projekt teilgenommen haben; 6.0% (80 Personen) bejahen diese Frage. Werden nun alle Personen gefragt, ob sie (noch einmal) oder überhaupt erstmals bereit wären sich aktiv an einem solchen Projekt zu beteiligen, geben 51.7% «ja» an. Eine Beteiligung wird am ehesten im Bereich «Daten/Information sammeln» und «Ergebnisse mit interpretieren» gewünscht, im Umfang von ein paar Stunden im Monat und meist zu den Themen Gesellschaft, Umwelt, Gesundheit und Technik. Personen, die sich eine Beteiligung nicht vorstellen können, geben vor allem die Gründe «fehlendes Wissen» und «fehlende Zeit» an. Hinsichtlich der Beteiligungspräferenzen zwischen Personen über und unter 65 Jahren zeigen sich Unterschiede, die anzeigen, dass ältere Personen weniger offen für eine Forschungsbeteiligung sind, jedoch ist auch hier ein Potenzial für partizipative Forschungsprojekte erkennbar.

P10 
Herausforderung Ruhestand – Zeitpunkt und Gestaltung des Ruhestands von Landwirt*innen im Strukturwandel
 

K. M. Kusserow; Dortmund

Fragestellung: Strukturelle Wandlungsprozesse, wie zum Beispiel der technische Fortschritt und damit verbundene Produktivitätssteigerungen, beeinflussen seit Jahrzehnten die Landwirtschaft in Deutschland und damit auch den Arbeitsalltag der Landwirt*innen. Aus sozialgerontologischer Perspektive wird in dem hier vorgestellten Promotionsvorhaben das Thema „Altern in der Landwirtschaft“ vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft behandelt. Die Entwicklung der (Erwerbs-)Biographien sowie die Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand stehen dabei im Fokus. Forschungsleitende Fragestellungen sind dabei u.a. „Welche Rolle spielt die Hofnachfolge?“, „Welchen Einfluss nehmen finanzielle Faktoren und soziale Sicherungssysteme?“ und „Welche Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen haben Landwirt*innen hinsichtlich ihrer Übergänge in den Ruhestand und die Ruhestandsgestaltung?“.

Methodik: Die methodische Umsetzung erfolgt in vier Schritten: 1.) systematische Recherche der nationalen und internationalen themenspezifischen Literatur, 2.) Sekundäranalyse statistischer Daten (z.B. zur Hofnachfolge, zur Alterssicherung), 3.) sieben Interviews mit Expert*innen landwirtschaftlicher Institutionen und 4.) elf qualitative Interviews mit älteren Landwirt*innen aus Niedersachsen.

Ergebnisse: Wie die Literaturrecherche zeigt, besteht ein Forschungsbedarf u.a. hinsichtlich Erwerbsbiographien, Wünschen, Bedarfen und Ruhestandsgestaltung älterer Landwirt*innen. Die ersten Analysen der Interviews mit den Expert*innen und Landwirt*innen geben Hinweise darauf, dass insbesondere die Hofnachfolge, der Gesundheitszustand sowie sozioökonomische und familiäre Aspekte einen wichtigen Einfluss auf den Zeitpunkt und die Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand nehmen.

Zusammenfassung: Die Phase des Ruhestandes, wie sie in Martin Kohlis (1985) Modell des Normallebenslaufs definiert wird, kann laut Expertenaussagen bei Landwirt*innen bisher oftmals nicht beobachtet werden. Die Auswirkungen des Strukturwandels sind jedoch auch in den Erwerbsbiographien der Landwirt*innen erkennbar, was mit neuen Chancen und Herausforderungen einhergeht.

P11 
Forschungsbasierte Entwicklung einer beschleunigten praktischen Implementierung assistiver und digitaler Technik in der Pflege mithilfe von Sensibilisierung, evaluativer Einführung, Qualifizierung und Implementierung (SEQI-Prozess)
 

S. Hofstetter, J. Helm, C. Buhtz, D. Paulicke, K. Schwarz, D. Stoevesandt, P. Jahn; Halle (Saale), Tübingen

Hintergrund und Fragestellung: Der Einsatz und Weiterentwicklung digital assistierender Technologien (DAT) eröffnet ein großes Potential, um Herausforderungen einer angemessenen Gesundheitsversorgung zu begegnen. Da der Prozess der Praxisimplementierung von DAT jedoch in vielen Punkten nicht unproblematisch verläuft, stellt sich die Frage danach, wie die Implementierung in die gesundheitlich-pflegerische Versorgung bedarfsorientiert erfolgen kann.

Methode: SEQI steht für „Sensibilisierung, evaluative Einführung, Qualifizierung, Implementierung“ und benennt die vier Phasen der insgesamt fünftägigen Intervention. Eingeschlossen werden etwa 125 berufserfahrene Gesundheitsfachpersonen in Einrichtungen der stationären Pflege in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Die Intervention erfolgt vor Ort in den jeweiligen Einrichtungen. Während der drei ersten Phasen des Prozesses (Workshops zur Sensibilisierung, evaluativen Einführung und Qualifizierung; Tage 1-2) wählen die teilnehmenden Gesundheitsfachpersonen passend zum Pflegebedarf der von ihnen betreuten Personen jeweils eine von sechs angebotenen DAT, die in der Implementierungsphase (Tage 3-5) in der Versorgung einer Bewohnerin/eines Bewohners angewendet wird.

Ergebnisse: Aufbauend auf den Ergebnissen des Projekts FORMAT wird ein weiterer Zugangsweg erschlossen, um quartiersnahe in ST DAT verfügbar zu halten. Die Bereitschaft der Gesundheitsfachpersonen zur Verwendung von DAT in der Alten- und Krankenpflege wird mit Hilfe des validierten Instruments Technology Usage Inventory (TUI) zu drei Zeitpunkten (vor Beginn des SEQI-Prozesses sowie vor und nach der Implementierungsphase) bestimmt. Zusätzlich werden Gesundheitsfachpersonen eingeladen, Auskunft über die grundsätzliche Machbarkeit und mögliche Verbesserungen des SEQI-Prozesses zu geben. In einer telefonischen Nacherhebung wird untersucht, ob und ggf. welche DAT anschließend Eingang in die Regelversorgung der Einrichtungen gefunden haben.

Fazit: Eine regelgeleitete Implementierung (SEQI-Visite) kann einen wichtigen Beitrag zur technischen und digitalen Transformation in der Pflege leisten.

P12 
NRW Forschungskolleg Wohlbefinden bis ins hohe Alter/Gerontological Research On Well-Being (GROW): Schwerpunkte der zweiten Förderphase
 

K. Alert, S. Zank; Köln

Das NRW Forschungskolleg GROW wird seit 2015 durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Seit 2019 widmet sich das Kolleg in der zweiten Förderphase in inter- und transdisziplinären Promotionsprojekten der Frage nach praxisrelevanten Ressourcen und Barrieren, die das Wohlbefinden bis ins hohe Alter beeinflussen. Der Fokus der Untersuchungen liegt in GROW II auf den Lebensbedingungen, Bedürfnissen, Erfahrungen und Erwartungen von Hochaltrigen (hier definiert ab einem Alter von 80 Jahren) und anderen vulnerablen Gruppen, wie chronisch kranken Menschen, Gehörlosen und Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Die zehn Projekte sind in die drei übergeordneten Themenschwerpunkte Technik & Digitalisierung, Vernetzte Versorgung sowie Lebenslauf & Soziale Ungleichheit gegliedert und bedienen sich qualitativer und quantitativer Methoden sowie der Perspektiven und Instrumentarien aus Soziologie, Psychologie, Versorgungsforschung, Gerontologie und Linguistik. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Hochaltrigenstudie NRW80+ an der Universität zu Köln. Den theoretischen Rahmen bildet bei beiden Projekten das CHAPO-Modell (Challenges and Potentials Model of Quality of Life in Very Old Age; Wagner et al. 2018), in dem das (subjektive) Wohlbefinden als Teilaspekt von Lebensqualität und Zielgröße im hohen Alter verankert ist.

Ein zentraler Anspruch des Kollegs ist eine transdisziplinäre Herangehensweise an die übergeordnete Forschungsthematik und auch an die projektspezifischen Fragestellungen. Im Sinne der Transdisziplinarität ist der Dialog mit nichtwissenschaftlichen Akteuren je nach Forschungsdesign über das Projekt hinweg begleitend oder an einzelnen Stationen integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in GROW II – dies reicht von der gemeinsamen Entwicklung der Fragestellung bis zur Umsetzung der aus der Forschung resultierenden Implikationen in der Praxis. Ein kollegübergreifendes Transferkonzept soll schließlich gebündelt und gezielt die nachhaltige Weiternutzung der Ergebnisse und Erkenntnisse für die betreffenden Disziplinen, Praxisfelder und Entscheidungsinstanzen gewährleisten.

P13 
Welchen Mehrwert haben KI-basierte Sprachassistenten für ältere Menschen? Konzeptionelle Zugänge und erste Ergebnisse des Projekts KI-Alter
 

A. Schlomann, C. Rietz, P. Zentel, V. Heyl, L. Knapp, C. Opfermann, T. Krämer, H.-W. Wahl; Heidelberg, München

Künstliche Intelligenz (KI) wird immer mehr zum Teil des Alltags, wobei ein wachsender Bereich KI-basierte Sprachassistenten sind. Dabei stellen sich die Fragen, welchen Mehrwert diese Systeme für ältere Menschen haben und wo Herausforderungen bestehen. Das Projekt KI-Alter erforscht diese Aspekte im Rahmen eines Mixed-Methods Forschungsdesigns und adressiert ältere Menschen mit und ohne geistige(r) Behinderung. Das Projekt wird von einem Team von Forschenden an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, der Universität Heidelberg und der LMU München umgesetzt. KI-Alter wird durch die Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen der Förderlinie „Verantwortliche Künstliche Intelligenz“ gefördert. 

Auf Basis einer systematischen Literaturanalyse wurden sechs Themenbereiche extrahiert, die relevante Potenziale durch KI-basierte Sprachassistenz für Ältere zeigen: hohe Usability, soziale Teilhabe, Unterstützung gesundheitsbezogener Aktivitäten, Förderung von Selbstständigkeit, Unterhaltung und Gestaltung des eigenen Alltags. Herausforderungen zeigten sich im Hinblick auf eingeschränkte Interaktionsmöglichkeiten, einen fehlenden Mehrwert und Kompatibilität, die Gefahr eines Kompetenzverlusts sowie eine höhere Abhängigkeit von der Technik. Auch ethische Aspekte sowie Herausforderungen im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz sind in diesem Kontext sehr relevant.

Basierend auf der Literaturanalyse sowie den Ergebnissen qualitativer Vorstudien (Leitfadeninterviews, Fokusgruppen) werden partizipativ video- und printbasierte Anleitungen entwickelt, um verschiedenen Zielgruppen älterer Menschen die Nutzung KI-basierter Sprachassistenten im Alltag zu erleichtern und sie beim Erlernen der Systeme zu unterstützen. 

Im weiteren Projektverlauf werden ältere Menschen einen zur Verfügung gestellten Sprachassistenten über eine Dauer von vier Wochen im Alltag nutzen und ihre Erfahrungen in einem digitalen Tagebuch festhalten. Die Nutzungserfahrung wird zusätzlich über Nutzungsstatistiken und eine automatisierte Auswertung von Emotionen (Sprache und Mimik) erfasst. Das Forschungsdesign in KI-Alter zielt darauf ab, ein möglichst umfassendes Bild des Nutzungserlebens KI-basierter Sprachassistenten in einem ökologisch validen Setting zu erlangen. Dies ermöglicht es, den Mehrwert der Systeme für ältere Menschen mit und ohne Behinderungen sowie relevante Herausforderungen und ethische Implikationen umfassend zu diskutieren und Empfehlungen zu deren Einsatz abzuleiten.

P14 
Promotionsprojekt „Raumkonstitution im Alter“
 

U. Siebel-Militzer; Dortmund

Forschungsfrage: Wie stellen sich bezogen auf den öffentlichen Raum die Raumkonstitution und die raumbezogenen Handlungs- und Erlebensprozesse im Alter dar und welche Einflüsse von Altersbildern auf die Raumkonstitution sind erkennbar?

Ziel: Die geplante Studie soll die eher individuumzentrierte ökologische Gerontologie durch die Integration der raumstrukturellen Makroebene erweitern. Das ‚Rahmenmodell zum Person-Umwelt-Austausch‘ von Wahl et al. (2012) wird mit der ‚Raumsoziologie‘ von Löw (2015) verknüpft, um die wechselseitigen Beeinflussungen der sozialen Kategorien Raum und Alter, von Raumstruktur und handlungs- und emotionsbezogenen Prozessen im Alter sowie von Altersstereotypen zu analysieren.

Neben der individuellen Raumkonstitution steht der Einfluss der durch reproduzierende Handlungspraxis gewachsenen Struktur des öffentlichen Raums im Fokus, die als (raum-) strukturelle Altersexklusion wirken kann.

Methode: Geplant ist ein zweischrittiges qualitatives Design, das sich an den Verfahren der Grounded Theory orientiert:

Das Sample umfasst zunächst 12 Personen und deckt unterschiedliche Phasen des Alter(n)s und Grade an Beeinträchtigung ab. Die Teilnehmenden sollen bis zu 8 Fotografien von denjenigen öffentlichen Räumen erstellen, die sie als sehr positiv und als sehr negativ empfinden. Damit wird nicht nur die Perspektive des Einzelnen rekonstruiert, sondern die Fotos werden als Narrationsstimulus in leitfadengestützten Einzel-Interviews genutzt. Analysiert werden sowohl die Bild- als auch die Interviewdaten.

Für die Teilnehmenden wird in der Fotografie-Phase eine vorverbale Reflexion über ihre Raumkonstitution und die vorgefundene Raumstruktur angestoßen, woran in der Interview-Phase diskursiv angeknüpft wird. Der erlebt, genutzte Raum wird auf der Basis folgender Leitkategorien analysiert: - Raum-Beschreibung; - Erreichbarkeit; - Wahrnehmen, Erleben;
- Handlung, Nutzung, Aneignung; - Veränderungen über die Zeit.

Erwartete Ergebnisse: Anwendungsbezogen sollen gerontologisch fundierte Handlungsempfehlungen für die Stadtplanung erarbeitet werden. Die vermutete Beeinflussung der individuellen Raumkonstitution durch internalisierte Alters-Stereotype wie durch die vorgefundene Raumstruktur soll konkretisiert werden.

 

Literatur

Löw, M.: Raumsoziologie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 8. Aufl., 2015.

Wahl, H.-W.; Iwarsson, S. & Oswald, F.: Aging Well and the Environment: The Gerontologist 52(3), Oxford University Press, 2012, 306–316.

P15 
Zusammenhänge von Kommunikationsverhalten und Einwilligungsfähigkeit bei Menschen mit Demenz
 

L.-V. Badenhoop, S. G. Penger, J. Haberstroh; Siegen

Um nicht als Körperverletzung zu gelten, erfordern medizinische Maßnahmen eine gültige Einwilligung des oder der zu behandelnden Patient:in. Durch demenzielle Erkrankungen kann die Einwilligungsfähigkeit bei komplexen Entscheidungen bereits in frühen Stadien in Frage gestellt werden, die klinische Beurteilung ist jedoch gerade in frühen Stadien der Demenz nicht reliabel. Daher wird der Einsatz standardisierter Instrumente zur validen und reliablen Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit empfohlen. Das am besten validierte dieser Instrumente ist das MacArthur Competence Assessment Tool for Treatment (MacCAT-T).

Dieses Instrument überprüft die Einwilligungsfähigkeit jedoch ausschließlich verbal, wodurch Menschen mit Demenz, deren verbale Fähigkeiten zunehmend beeinträchtigt sind, benachteiligt werden. Dabei bleiben im Verlauf der Demenzerkrankung individuelle kommunikative Verhaltensweisen erhalten, die genutzt werden können, um Menschen mit Demenz zu eigenständigen Entscheidungen zu befähigen. Mithilfe des Instruments KODEMamb lässt sich das kommunikative Verhalten von Menschen mit Demenz erfassen, um die weitere medizinische Aufklärungssituation individuell anzupassen. Um geeignete Interventionen zur Förderung von Einwilligungsfähigkeit entwickeln zu können, untersucht die vorliegende Arbeit Zusammenhänge zwischen dem Kommunikationsverhalten von Menschen mit Demenz und der Beurteilung ihrer Einwilligungsfähigkeit.

Es wird vermutet, dass ein positiver Zusammenhang zwischen beiden Konstrukten besteht und dass verbales Kommunikationsverhalten einen höheren Zusammenhang mit der Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit aufweist als nonverbale Beziehungsaspekte und nonverbale Inhaltsaspekte.

Zur Überprüfung der Hypothesen wurden bei 46 Personen mit Alzheimer, vaskulärer und gemischter Demenz in einem klinischen Setting sowohl KODEMamb als auch MacCAT-T durchgeführt und anhand von Korrelations- und Regressionsanalysen die Zusammenhänge zwischen den Gesamtwerten und einzelnen Subskalen untersucht.

Bisherige Ergebnisse lassen hypothesenkonform einen positiven Zusammenhang zwischen den Gesamtwerten beider Instrumente vermuten. Die endgültigen Ergebnisse der Studie werden präsentiert, diskutiert und daraus mögliche Implikationen abgeleitet.

P17 
Early-life traumatic war experiences interact with loss of close relatives in very old age: differential effects on cognitive capacity, multimorbidity, and mental health
 

D. Hauber; Köln

Objective: Traumatic experiences during childhood and adolescence are associated with increased risks for mental and physical illnesses across the lifespan. Stress Sensitization Theory suggests that traumatized persons are more sensitive to subsequent life stressors, but empirical findings in very old adults (≥80 years) are scarce. The present study adds to the existing literature by examining the interaction effects of a recent life stressor (loss of close relative) and early-life World War II traumatic experiences (WWII-TE) on three important domains: multimorbidity, cognitive capacity, and depression.

Method: This study used data from Wave 1 and Wave 2 of the ‘Survey on quality of life and subjective well-being of the very old in North Rhine-Westphalia (NRW80+)’. N=834 very old adults were asked about WWII-TE. Depressive symptoms, cognitive capacity, and multimorbidity were assessed. Repeated measures linear mixed models evaluated main and interaction effects of time, WWII-TE, and loss of close relative on mental and physical health, while controlling for a variety of possible confounders.

Results: About 46% of the participants reported WWII-TE and about 6% lost a close relative between Wave 1 and 2. The loss of a close relative was associated with depression, but only in previously traumatized participants. WWII-TE were associated with higher multimorbidity, irrespective of time and loss of close relative. Cognitive capacity generally declined between Wave 1 and 2 but was not affected by WWII-TE or loss of close relative.

Discussion: Elevated stress-response in previously traumatized very old adults seems to be domain-specific.

P18 
Entwicklung eines Instruments zur appgestützten Begutachtung der Versorgungssituation bei der Durchführung der Pflegeberatungsbesuche nach § 37.3 SGB XI - Ergebnisse einer Expertenbefragung zu Nutzerbedürfnissen und -präferenzen
 

A. Gabber, S. Heidenblut, T. LaGuardia, S. Zank; Köln

Fragestellung: Ziel des Projektes ist es, die Pflegeberatung nach § 37.3 SGB XI effektiver zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund wird eine App entwickelt, die zur Begutachtung der Versorgungssituation verwendet werden soll. Hierzu sollen insbesondere Fragen nach inhaltlichen und funktionalen Anforderungen an das integrierte Instrument beantwortet werden.

Methode: Es wurde ein nutzerzentrierter Designansatz angewandt, mit dem die zukünftigen Nutzer*innen von Anfang an in den Entwicklungsprozess einbezogen werden, um sicherzustellen, dass das Instrument optimal an das Pflegeberatunsgssetting angepasst wird.

Zunächst wurden Nutzungskontexte sowie Bedürfnisse und Präferenzen an das Instrument in 16 semistrukturierten Experteninterviews erfasst und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse der Interviews wurden anschließend in konkrete Nutzeranforderungen überführt, um sie technisch realisierbar zu machen. In regelmäßigen Expertentreffen wurde das Instrument weiter nutzergerecht angepasst.

Ergebnisse: Die Interviewten nannten folgende Punkte: eine systematische Erfassung der Beobachtung von Pflegeproblemen und Risiken, die Empfehlung von Maßnahmen auf Basis der Assessmentergebnisse, die Möglichkeit, Fälle im Verlauf darzustellen und das Erkennbar machen kritischer Zustände in Pflegesituationen.

Die Ergebnisse der Interviews bildeten die Grundlage für Expertentreffen in denen eine konkrete Ableitung der Nutzeranforderungen erfolgte. Als Basis-Assessments wurden das NBA und BIZA-D zur Begutachtung der Pflegesituation gewählt und an das Pflegberatungssetting angepasst. Zur Unterstützung des ‚workflows‘ wurde zudem der flexible Zugriff auf einzelne Items, die Visualisierung des Zustands einer Kategorie, eine Verlaufsdarstellung sowie die Möglichkeit zur Auswahl und Verwaltung von Maßnahmen festgelegt. Informationen, die für sektorenübergreifende Akteure relevant sind, sollten über Schnittstellen und mit Einwilligung der Pflegebedürftigen übermittelbar sein.

Schlussfolgerung: Der nutzerzentrierte Designansatz hat sich als eine sinnvolle Methode zur Erfassung und Spezifizierung von Anforderungen an ein Instrument zur appgestützten Begutachtung der häuslichen Pflegesituation im Rahmen der Pflegeberatungsbesuche nach § 37.3 SGB XI erwiesen.

P19 
Future Time Perspective und Patientenverfügungen: Welchen Einfluss hat Zeit auf medizinische Vorausentscheidungen?
 

J. Karneboge, S. G. Penger, J. Haberstroh; Siegen

Die Auseinandersetzung mit dem Lebensende rückt immer mehr in den gesellschaftlichen Fokus, nicht zuletzt durch die Entscheidung des Bundesgerichtshofes 2020 zum Recht auf Sterbehilfe. Zu dieser Beschäftigung mit dem Lebensende gehört auch das Erstellen einer Patientenverfügung zur Wahrung des Selbstbestimmungsrechts im Falle des Verlusts der Einwilligungsfähigkeit.

Obwohl über 90% der deutschen Bevölkerung angeben, um die Möglichkeit einer Patientenverfügung zu wissen, hat bisher nur etwa jeder Vierte eine solche abgeschlossen. In dieser Arbeit soll ein möglicher Einflussfaktor auf diese geringe Prävalenz, die Future Time Perspective (FTP), untersucht werden. Einige bisherige Studien legen nahe, dass Personen mit einer limitierten FTP eher nicht dazu bereit sind, sich mit der Planung ihres Lebensendes auseinander zu setzen, weil sie sich lieber kurzfristig belohnenden, emotional bedeutsamen Zielen zuwenden. Andere Studien konnten aufzeigen, dass ein höheres Alter, welches oft mit einer limitierten FTP einhergeht, die Berührungspunkte mit Patientenverfügungen erhöht und somit deren Prävalenz. In dem Bestreben, den Einfluss der FTP altersunabhängig zu untersuchen, wurde in einer aktuell laufenden Studie ein experimentelles Prä-Post-Kontrollgruppendesign mit zwei Messzeitpunkten gewählt, in welchem die FTP durch eine Imaginationsaufgabe manipuliert und den Probanden die Informierte Einwilligung zum Erstellen einer Patientenverfügung angeboten wird. Ergebnisse zu dem Effekt der FTP auf die Bereitschaft eine Patientenverfügung abzuschließen, werden vorgestellt, diskutiert und daraus mögliche Implikationen für eine Erhöhung der Prävalenz in der Bevölkerung abgeleitet. Zudem wird aufgezeigt, inwiefern mögliche Störgrößen, z.B. die subjektive Aufgabenkomplexität oder die Entscheidungsunsicherheit die Ergebnisse beeinflussen.

P20 
Zum Zusammenhang von Persönlichkeit und Altersbildern bei hochaltrigen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen
 

A. Blawert, S. K. Schäfer, S. Wurm; Greifswald

Fragestellung: Wie Menschen das eigene Älterwerden wahrnehmen (sog. individuelle Altersbilder), beeinflusst maßgeblich, wie gesund und sogar wie lange sie leben. Im hohen Alter sowie mit schlechterem Gesundheitszustand verbinden Personen mit dem Älterwerden jedoch häufiger Verluste und weniger Gewinne. Es ist daher wichtig, besser zu verstehen, welche Faktoren in diesem Lebensabschnitt mit einem eher gewinn- oder verlustorientierten Altersbild zusammenhängen. Einige Studien haben Persönlichkeit als wichtiges Korrelat identifiziert; diese verstehen Persönlichkeit meist aus einer Big-Five-Perspektive und untersuchen überwiegend Personen im mittleren bis fortgeschrittenen Erwachsenenalter mit eher guter Gesundheit, was einen Bias darstellt. Die vorliegende Studie untersucht deshalb, wie die übergeordneten Persönlichkeitsfaktoren Agency (Fokus auf der eigenen Person als handlungsfähigem Individuum) sowie Communion (Fokus auf anderen Personen, Pflege sozialer Beziehungen) damit zusammenhängen, wie hochaltrige Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen ihr Älterwerden wahrnehmen.

Methodik: Befragt wurden n = 154 Personen im Alter zwischen 75 und 93 Jahren [MAlter = 81.55 (SD = 4.56), 42.4 % männlich] einen Monat nach einem Krankenhausaufenthalt. In multiplen Regressionsanalysen wurden Zusammenhänge von Agency und Communion (GEPAQ) mit gewinn- und verlustorientierten Altersbilden (AgeCog) untersucht. Körperliche und emotionale Gesundheit (SF-12) wurden ebenfalls in die Modelle aufgenommen. Die Analysen waren um den Einfluss von Alter, Geschlecht und Bildung bereinigt.

Ergebnisse: Sowohl ein höheres Maß an Agency, β = 0.28, t(516.10) = 3.90, p < .001, als auch an Communion, β = 0.23, t(516.10) = 3.37, p = .001, klärte eigenständige Varianzanteile des gewinnorientierten, jedoch nicht des verlustorientierten Altersbildes auf. Ein höheres Maß an körperlicher, β = -0.15, t(397.30) = -2.68, p = .009, sowie emotionaler Gesundheit, β = -0.12, t(397.30) = -2.35, p = .020, klärte eigenständige Varianzanteile des verlustorientierten, jedoch nicht des gewinnorientierten Altersbildes auf.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse zeigen, dass Agency und Communion bei hochaltrigen Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen wichtige Ressourcen darstellen, die mit einem gewinnorientierten Altersbild assoziiert sind. Für die Wahrnehmung von Verlusten scheint Persönlichkeit über Gesundheit hinaus in dieser Gruppe keine Rolle zu spielen.

P22 
Lebensqualität in Pflegeeinrichtungen - Eine Metasynthese qualitativer Studien
 

T. Boggatz; Senftenberg

Fragestellung: Die Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung ist für ältere Menschen mit schwer zu überwindenden Erfahrungen verbunden: funktionelle Einschränkungen, der Verlust eines Ehepartners, der Verlust des alten Zuhause und die Perspektive, an der Endstation des Lebens angelangt zu sein. Die Lebensqualität der verbleibenden Lebenszeit wird zu einem zentralen Anliegen und sollte durch die Einrichtung gefördert werden. Bei einer Vielzahl theoretischer Ansätzen zur Bestimmung von Lebensqualität in Pflegeeinrichtungen herrscht keine Übereinstimmung über deren Dimensionen. Lebensqualität wird dabei subjektiv erfahren. Ziel dieser Studie war es daher, die Dimensionen der Lebensqualität aus der Perspektive älterer Menschen in Pflegeeinrichtungen zu bestimmen, um auf dieser Grundlage die Möglichkeiten, sie durch Pflege und Betreuung zu fördern, zu identifizieren

Methode: In den Datenbanken Pubmed, CINAHL, Embase und Gerolit wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Einschlusskriterien waren: qualitative Studien zu Erfahrungen älterer Menschen in Pflegeheimen, Publikationen seit 1990 in englischer oder deutscher Sprache. Auf der Grundlage der identifizierten Studien wurde eine qualitative Metasynthese durchgeführt.

Ergebnisse: Es wurden 148 Studien identifiziert. Lebensqualität lässt sich als ein Gleichgewicht bei der Befriedigung entgegengesetzter Handlungstendenzen in Abhängigkeit von individuellen Fähigkeiten und äußeren Umständen definieren. Es gibt vier einander ergänzende Ebenen von Handlungstendenzen, auf denen ein solches Gleichgewicht bestehen sollte: körperbezogene Handlungtendenzen, die auf körperliches Wohlbefinden, soziale Handlungstendenzen, die auf soziale Integration, identitätsbezogene Handlungstendenzen, die auf die persönliche Integrität, und entwicklungsbezogene Handlungstendenzen, die auf ein persönliches Wachstum abzielen.

Diskussion: Bei den untersuchten Studien ist ein Bias sozialer Erwünschtheit nicht auszuschließen. Einige Dimensionen von Lebensqualität wie Sexualität, Nonkonformismus, oder Egozentrismus sind in den Ergebnissen wahrscheinlich unterrepräsentiert. Dennoch sollten diese eher verborgenen Dimensionen bei der Pflege berücksichtigt werden.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse bieten einen Orientierungsrahmen für eine person-zentrierte Pflege, der es ermöglicht, die individuellen Bedürfnisse von Pflegeempfängern im Rahmen einer langfristigen Pflegebeziehung zu identifizieren und ihre Lebensqualität zu fördern.

P23 
„Wie bekomme ich einen Impftermin?“ Benachteiligung älterer Menschen bei der Online-Terminvergabe
 

H. von Stülpnagel, S. Albers, A. Münzel, A. Eich-Krohm; Magdeburg

Fragestellung: Mit Beginn der Covid-19-Impfungen haben sich Problemstellungen bei der Vereinbarung von Impfterminen ergeben. Ein Beispiel ist die ausschließliche Online-Terminvergabe bei zeitgleich hoher Nachfrage aber nur geringem Impfangebot. Dies kann zu Benachteiligungsprozessen bestimmter Bevölkerungs- und Altersgruppen führen. Dazu zählen Personen, die nicht über die notwendige digitale Ausstattung oder die digitalen Kompetenzen verfügen, um eine Terminbuchung selbstständig online vorzunehmen. Wie erleben ältere Menschen, die noch in der eigenen Häuslichkeit leben, diesen Prozess?

Methodik: Im Rahmen des STARK-Projekts (Soziale Teilhabe im Alter im Quartier Kannenstieg fördern) wurden an drei Impfterminen im Alten- und Service-Zentrum im Bürgerhaus Kannenstieg (ASZ) teilnehmende Beobachtungen während des Impfvorgangs von Stadtteilbewohner:innen ab 80 Jahren durchgeführt, in Beobachtungsprotokollen festgehalten und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergänzend dazu wurden die entstandenen Feldnotizen und die Aussagen älterer Menschen und die der Praktiker:innen bei der Impfterminvereinbarung im ASZ in die Analysen einbezogen.

Ergebnisse: Ältere Menschen ohne Zugang zum Internet fühlen sich oftmals hilflos und „vergessen“. Sie erleben die Vergabe von Impfterminen als willkürlich und fühlen sich angesichts der Komplexität und den Ansprüchen, die aus der ausschließlich digital verlaufenden Impfterminbuchung entstehen, überfordert. Sie erleben sich durch die Abhängigkeit von anderen Personen in ihren Kompetenzen und ihrer Selbstständigkeit als eingeschränkt.

Diskussion: Es ist fraglich, wie sich die wahrgenommene Benachteiligung auf die Selbstwirksamkeit und das Selbsthilfepotenzial älterer Menschen auswirkt und inwieweit das Erlebte dazu beiträgt, die digitale Entwicklung im Alter voranzubringen. Wie können Lösungsansätze aussehen, bei denen die Bedarfe und Kompetenzen der Zielgruppe berücksichtigt und älteren Menschen vergleichbare Chancen bei digitalen Anwendungen eingeräumt werden, ohne dass auf diese Weise Benachteiligungsprozesse ausgelöst oder verstärkt werden?

P24 
Digitale Quartiersplattformen als Unterstützung für Aktivitäten im Quartier
 

M. Schlinge, S. Wallrafen, V. Gerling, C. Strünck; Dortmund, Mönchengladbach, Fröndenberg/Ruhr, Siegen

Fragestellung: Im Projekt „Mobilitätsnetzwerk und Senioren-Scooter-Sharing: Ein neuer digitaler Service für mehr Mobilität und Teilhabe im Quartier“ (Laufzeit: 2019-2022) entsteht in einem Stadtteil von Mönchengladbach ein digital unterstütztes Netzwerk. Durch die gemeinschaftliche Nutzung von Senioren-Scootern soll die soziale Teilhabe von älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen im Quartier verbessert bzw. ermöglicht werden. Eine Befragung der Bewohner*innen der städtischen Altenheime in Mönchengladbach ergab, dass ältere Menschen mit abnehmendem Mobilitätsradius und zunehmender Pflegebedürftigkeit weiterhin ein hohes Bedürfnis nach Informationen aus dem Quartier haben. Darum wurde als zusätzlicher Bestandteil des Projektes eine eigene digitale Quartiersplattform entwickelt. Diese richtet sich zum einen an die älteren Bürger*innen, die dort Informationen zu Veranstaltungen, Angeboten und weiteren Aktivitäten im Quartier erhalten können und zum anderen an Einzelhändler*innen sowie Vereine und weitere Institutionen, die ihr Leistungsportfolio präsentieren können.

Methodik: Anhand von vier qualitativen Expert*inneninterviews und der Auswertung vorhandener Fachliteratur wurde der Frage nachgegangen, welche Gelingensfaktoren und Stolpersteine sich beim Aufbau und weiteren Betrieb einer digitalen Plattform für die Betreiber*innen und die genannten Nutzer*innengruppen zeigen.

Ergebnisse: Insgesamt soll die Plattform älteren Menschen eine Hilfestellung beim Finden passgenauer Angebote im Quartier für ihre Anliegen bieten und dazu motivieren, an diesen teilzuhaben. In Kombination mit dem Sharing-System und den dazugehörigen Schulungen auf einem Verkehrsübungsplatz für Senioren-Scooter können sie außerdem ihren Mobilitätsradius erweitern und die Angebote dann selbstständig wahrnehmen. Insofern kann das Projekt zu mehr analoger Aktivität im Quartier führen und für weiterhin mobilitätseingeschränkte Menschen das Zugehörigkeitsempfinden verbessern, um sozialer Isolation entgegenzuwirken.  

Zusammenfassung: Das Poster gibt einen Überblick über die Gelingensfaktoren und Stolpersteine auf dem Weg zu einer digitalen Quartiersplattform sowie über deren Nutzen. Außerdem wird aufgezeigt, wie digitale und analoge Maßnahmen ineinander greifen, um die Teilhabe älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen im Quartier zu fördern.

P25 
Digitalisierung der Kommunikation an den Schnittstellen in der ambulanten Pflege: Potenziale und Herausforderungen für die Beschäftigten
 

N. Penning; Bochum

Fragestellung: In der ambulanten Pflege ist Kommunikation zwischen den professionellen Akteuren zentral. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem in der Kommunikation zwischen ambulanten Pflegediensten mit Krankenhäusern und mit (Haus-)Ärzt*innen Schwierigkeiten auftreten. An dieser Stelle setzt die hier vorgestellte Masterarbeit an. Ziel war es, die Potenziale und Herausforderungen neuer digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien für die Kommunikation und Zusammenarbeit an den oben genannten Schnittstellen aus der Perspektive der Beschäftigten in Bremen zu untersuchen.

Methodik: Neben einer Analyse des themenspezifischen Forschungsstands wurden acht Expert*inneninterviews durchgeführt. Befragt wurden Mitarbeiter*innen von ambulanten Pflegediensten, von Sozialdiensten in Krankenhäusern sowie von den Bremischen Behörden. Das leitfadengestützte Interview umfasste folgende Themenbereiche: Kommunikationswege, Erfahrungen der Beschäftigten mit der Digitalisierung sowie Potenziale und Herausforderungen ebendieser für die Kommunikation. Die Auswertung erfolgte nach der qualitativen Inhaltsanalyse (Gläser und Laudel 2010), wofür deduktiv anhand des Interviewleitfadens ein Kodierleitfaden erstellt wurde.

Ergebnisse: Die Beschäftigten sehen eine zu erwartende Zunahme der Digitalisierung positiv und nennen als große Potenziale eine Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Als Herausforderungen werden die oft mangelnde Kompatibilität der digitalen Mittel und Unsicherheiten im Umgang mit den sensiblen Daten der Patient*innen beschrieben. Schwierigkeiten in der Kommunikation mit den Kostenträgern sollten verstärkt untersucht werden.

Zusammenfassung: Pflegearbeit besteht aus personenbezogenen Dienstleistungen, weshalb der Einsatz von digitaler Technik nicht nur die Beschäftigten selbst in ihrer Arbeit beeinflusst, sondern auch die Interaktionen mit den Patient*innen. Somit ist es besonders wichtig, dass Akteure auf allen Ebenen bei der Entwicklung neuer digitaler Techniken einbezogen werden und ein breiter gesellschaftlicher Diskurs über den Umgang mit den sensiblen Daten stattfindet.

P26 
Designing for older dancers – implications for design of IT which supports joy of movement in urban spaces
 

D. Struzek, J. Butorac, C. Müller; Siegen

The current global pandemic caused by COVID-19 has turned many people's daily lives upside down. The scale of the crisis forced countries to take increasingly drastic measures, from initial hygiene and protection measures to a complete lockdown of public and private life. To this end, public places were closed off, large events were banned for the time being, and public offerings and activities that lead to gatherings of people were not permitted. Older adults, as a particularly vulnerable group, suffer from the physical distancing measures when they have to reduce social activities. To bridge the physical distance problem, videoconferencing and live streaming solutions have gained popularity. The poster demonstrates research activities from the BMBF-funded “Active City Innovation” research project, exploring how dance and movement in public spaces can be supported by socio-technical systems with a special focus on older citizens. As part of the requirements analysis process, interviews and participant observations have been conducted with older dancers between 65 and 95 years in Siegen. The dance group had been meeting regularly to dance together for several years. Due to the COVID-19 restrictions, they had to cancel all joint dance activities on site. With the qualitative research approach, we aim to understand the motivations of the older dancers as well as their trainers and extrapolate implications for potential technical assistance from the findings. The results indicate that dancing, especially among older adults, is not comparable to other physical activities and that personal exchange and a sense of community are the main reasons for participation at the dance class. Digital solutions such as live streaming solutions are hardly seen as an alternative to exercise and tend to be rejected, since technical systems are not associated with leisure time and, above all, cannot convey the human feeling of the joint activity. The results also show that dancing or moving in a group provides support and structure in the living environment and is seen as a movement option especially by women, while men prefer other sportive activities, such as riding a bicycle. Our results may assist researchers and developers in implementing conferencing and live streaming systems to support physical activity promotion in older adults, and most importantly, raise awareness of social participation and sense of community as key motivators for using such systems.

P27 
Introduction of a platform for fostering social participation and engagement in rural areas
 

D. Struzek, C. Müller; Siegen

Rural areas are struggling with ever greater challenges. Young people are leaving, social spaces are disappearing, and public infrastructure is poor or lacking. Various technical communication channels are already being used to provide support. This has led to information overload and a lack of trust in new technologies, especially among the older population. In order to support 6 villages in mutual communication, we used the well-known neighborhood platform "nebenan.de," which was developed for urban areas, as part of the 3-year research project Digital Village Center (Digi.DoM), which focused on developing digitization strategies for rural areas. Older residents in particular should have a way to get help from others, post questions about technology, requests or offers for sale, and requests for rides, even across villages. Participatory approaches were used to identify requirements for the platform for rural areas. Appropriation of the platform took place in 6 technology workshops held in three villages. Although residents of all ages were welcome, only residents between the ages of 60 and 85 attended. The workshops helped us capture related needs of older users. To encourage interaction, a common group was created on the platform, accessible to all registered villagers from all villages. The meetings showed how hesitant the older users of the platform were and for the most part only surveyed the association work. In addition, the villages wished to have their own groups, to which other villages did not have access. Another problem was the lack of trust building, which was reflected in the fact that workshop participation decreased and participants were skeptical even about a list of participants. Significant, at the same time, was the village history, which was even seen as a reason for using the platform. Using the introduction process of nebenan.de as an example, the contribution reflects on a basic conflict of community technologies for the target group of older adults who have little experience with such applications. On the one hand, such community technologies only work if a sufficiently large mass of users participates ("critical mass"). On the other hand, this is countered by worries of "non-users" who are concerned with questions of security, privacy related to community processes, they are used to in their small village life. The poster shows how socially acceptable solutions were sought with the older people in negotiation processes.

P28 
„Wenn man dann nicht mehr kann, dass man dann vielleicht da landet, wo man gar nicht hin will“ -Menschen die als „geistig behindert“ bezeichnet werden und ihre Vorstellungen der Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Alter(n)s
 

W. Stadel; Fulda

Fragestellung: Menschen mit sog. „geistiger Behinderung“ erreichen zunehmen das Rentenalter. Dies stellt die tradierten Hilfesysteme vor große Herausforderungen. In der Planung und Entwicklung von Hilfs- und Unterstützungsangeboten werden Menschen die als „geistig behindert“ bezeichnet werden noch eher wenig beteiligt. Über die subjektiven Deutungsmuster im Hinblick auf die Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Alterns ist wenig bekannt.

Methode: Es wurden in einer qualitativen Forschung sieben Personen in zwei Wellen in erzählgenerierenden und leitfadengestützten Interviews befragt, welche Vorstellungen, Wünsche und Befürchtungen sie hinsichtlich des eigenen Alter(n)s haben. Die Interviews wurden in Anlehnung an die Dokumentarische Methode ausgewertet.

Ergebnisse: Diese Forschung zeigt: Gerade Personen, die sich in ihrem Lebensverlauf schon einmal von einer umfassenden Fremdbestimmtheit distanzieren konnten, entwickeln große Widerstände, bei der Vorstellung sich wieder in Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben.

Die Fragestellung wo, wie und mit wem man altern möchte, ist für den benannten Personenkreis überformt. Der mögliche Verlust der teils mühsam und langwierig erarbeiteten Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung wird als Bedrohung empfunden und weitgehend ausgeblendet.

Dies führt dazu, dass über Vorstellungen und Wünsche nur wenig gesprochen werden kann. Der Bedarf an geeigneter Hilfe und Unterstützung wird dabei nicht negiert, allerdings wird befürchtet, dass diese nur zum Preis der erhöhten sozialen Abhängigkeit zu haben ist und vor allem mit einem Verlust der Deutungshoheit über Art und Ausmaß von Hilfe und Unterstützung einhergeht. Es konnten aus dem Datenmaterial Typen gebildet werden, die auf unterschiedliche Strategien der Bewältigung verweisen.

Schlussfolgerung: Gelegenheiten des Nachdenkens und des Sprechens gehören zu den zentralen Voraussetzungen, damit Menschen selbstbestimmt entscheiden können, wie sie im Alter leben möchten. Es sind Sprech- und Aushandlungsräume erforderlich, in denen die subjektiven Anliegen thematisiert werden können. Diese Aushandlungsräume müssen im Alltagserleben etabliert werden. Menschen des hier benannten Personenkreises möchten an der Gestaltung ihres eigenen Alter(n)s aktiv mitwirken. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten und unter der Prämisse, dass helfendes Handeln an den subjektiven Bedürfnissen ansetzt und sich weniger an der zugewiesenen Kategorie „geistig behindert“ orientiert.

P29 
Altersarmut in ländlichen Räumen Niedersachsens – Ein Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs
 

F. Müller; Göttingen

Seit einiger Zeit leben wir in einer alternden Gesellschaft, dem widerspricht erfahrungsgemäß niemand. Anders verhält sich dies in Bezug auf das Thema Altersarmut. Hier lautet die grundlegende Frage, an welcher sich die Geister scheiden: Handelt es sich um eine bestehende gesellschaftliche Herausforderung oder um eine zukünftige Problemstellung? Selbst der aktuelle 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung – derzeit noch nicht veröffentlicht – behandelt das Thema kontrovers und kommt zu keinem einheitlichen Ergebnis. Zudem nähert sich eine Vielzahl der aktuellen Publikationen dem Thema vor allem aus ökonomischer oder sozialpolitischer Richtung. Das Promotionsprojekt Altersarmut in ländlichen Räumen Niedersachsens. Eine qualitative Untersuchung zu sozialer Teilhabe im Alter nimmt sich der Thematik ebenfalls an. Aspekte der Wahrnehmung – sowohl der Fremd- als auch der Selbstwahrnehmung – sowie die Auswirkungen auf die individuellen Möglichkeiten zur Inanspruchnahme daseinsvorsorgender Infrastrukturen und soziale Teilhabe, bilden den Fokus der Forschung. Ebenfalls auffällig ist, dass bisher vordergründig urbane Räume beforscht wurden. In diesem Forschungsvorhaben wird sich jedoch ausschließlich ländlichen Regionen – aufgrund der Förderung durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur exklusiv für Niedersachsen – und deren geographische Besonderheiten. Erhoben wird im Projekt mit Hilfe eines qualitativen Ansatzes, mit leitfadengestützten Interviews mit Experten und betroffenen Personen. Der Aspekt der Fremdwahrnehmung bzw. der Einschätzung der Forschungsregion hinsichtlich der Betroffenheit von Altersarmut wird im Rahmen der Experteninterviews erhoben. Auf der Individualebene geschieht dies durch die Gespräche mit Betroffenen. Eine Fallkontrastierung soll regionale Unterschiede in der Wahrnehmung abbilden. Zur expliziten Auswahl der Forschungsregionen wurde im Rahmen des Forschungsvorhaben ein Index entwickelt, welcher anhand von drei übergeordneten Indikatoren – Demographie und Bevölkerung, Armutsgefährdung und Soziales sowie Ländlichkeit – besonders betroffenen bzw. gefährdete Landkreise identifiziert. Dieser Index bietet eine empirische Grundlage, welche mit den Einschätzungen der Experten abgeglichen und in die Betrachtung, der umstrittenen Debatte zum Thema Altersarmut, eingebettet werden. Der geplante Vortrag soll erste Ergebnisse des Promotionsprojekts präsentieren und einen Betrag zum gegenwärtigen Diskurs bieten.